Let's have a Party   

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Let's Have a Party   

Heute stand ich früher auf als üblich, und alles war so friedlich. Noch friedlicher als sonst, und das hätte mich warnen sollen. Ich bereitete alles für ein gemütliches Frühstück im Bett vor und überraschte dann meine Frau, die mich dankbar anlächelte. Ich wollte gerade den ersten Schluck trinken, da kam DIE Frage so unvermittelt wie Schnee im Juli. Es war wieder einmal soweit. Der Tag, vor dem ich mich regelmäßig fürchte. Der Tag, der die kommenden Woche(n) bestimmen würde. Der Tag, der meine Haare wieder ein wenig grauer werden läßt. Der Tag, der mich Jahre kostet.

Mit lächelnder Stimme, aber mit dem schrecklichen Timbre der Ausweglosigkeit kamen die Worte aus ihrem Munde: „Du, Schatz, glaubst Du nicht auch, daß wir wieder mal ein paar Leute zu uns einladen sollten?“ Vor Schreck goß ich eine volle Tasse heißen Kaffee auf meine Brust. Ich sprang aus dem Bett, fegte dabei das Frühstückstablett auf den Boden, riß mir den Pyjama vom Leib, trat auf die herumliegenden Butterbrötchen, rutschte auf Ihnen aus und landete in einem See aus Marmelade, Kaffee, Orangensaft und Frühstücksspeck nebst weichgekochtem Ei. „Weißt Du“, sagte sie in sich gekehrt und sah dabei weiter ins Leere, während ich die Scherben aus meinen Füßen zog, „bei uns ist einfach nichts mehr los. Das Leben geht an uns vorbei, und wir tun einfach nichts dagegen. Laß uns doch nur ein paar Leute einladen. Ohne viel Aufwand. ... Und was machst du da eigentlich auf dem Boden?"

‘Ohne viel Aufwand’. Kennen Sie die Worte?

Fangen wir bei der kleinen Gesellschaft an. Für mich sind das vier bis sechs Personen. Mein viel besseres Ich versteht darunter eher vierzehn bis sechzehn Personen, wenn es im wirklich kleinen Rahmen stattfinden soll. Ich unternehme noch einen zaghaften Vorstoß: „Mit ganz wenigen Leuten kann man doch nettere Gespräche führen, während bei vielen Leuten alles durcheinander spricht. Ich hätte auch (schwacher Versuch der Suggestion!) Lust, wieder mit unseren engsten Freunden so richtig intensiv zu quatschen.“ Quatschen? Quatsch, Junge, du hast hier bei einer Frau keine Chance, denn die Weichen sind gestellt. Wenn eine Frau eine beiläufige, spontane Idee äußert, ist längst alles durchgeplant. Also gehen wir zunächst in ein Möbelgeschäft, um einen geeigneten Eßzimmertisch zu erstehen, kaufen anschließend den passenden Teppich für darunter und eine geeignete Anzahl an neuen Stühlen. Gerade mit unpassenden Stühlen kann man sich ja so blamieren!

Dann geht es darum, die Einladungen rauszuschicken. Da doch der eine oder andere Freund absagt, werden es schließlich nur 21 Personen, die fest  zusagen.

Die nächsten Abende dienen der Auswahl der Snacks, die wir unseren Freunden reichen wollen. Als ich mich am Abend von der Arbeit nach Hause kommend erst einmal ins Sofa fallen lasse, zischt sie mir zu, ohne mich anzusehen: „Du interessierst dich überhaupt nicht mehr für unsere Freunde“. Jetzt weiß ich, daß Gefahr im Verzug ist und überlege, was ich falsch gemacht ha­ben könnte. Blitzschnell rekapituliere ich, kombiniere und erfasse den Kern des Problems. Ich lüge unschuldig: „Natürlich nicht. Im Gegenteil. Ich konzentriere mich im Moment darauf, was wir wohl am nächsten Samstag kochen könnten.“ „Was glaubst Du, was ich hier seit zwei Stunden mache“, entgegnet sie düster. Dennoch 100 Punkte für mich, der Kopf ist aus der Schlinge. Müde fange ich an zu überlegen. „Wir wäre es, wenn wir wieder diese Tomatenröllchen im Schlafrock machen könnten?“ „Bist Du verrückt? Was sollen unsere Freunde denken? Das hatten wir doch an Deinem 40.Geburtstag schon. Das ist ja langweilig, daß wir JEDESMAL dasselbe servieren“. Bitte jetzt nicht argumentieren, daß ich nun mittlerweile 45 Jahre alt bin. Das macht alles nur viel schlimmer. Und auch meine weiteren Vorschläge bringen wie immer nur Hohn, Gelächter und Spott für mich. Wissen Sie eigentlich, wieviel unmögliche, absolut indiskutable Speisen es für eine Party gibt?

Und wissen Sie auch, daß ein Snack für eine kleine Gesellschaft aus 3 Vorspeisen, 4 verschiedenen Salaten, 3 Hauptspeisen und 4 Desserts nebst Brot und diversen Pasteten besteht? Macht vierzehn verschiedene Gerichte. Mein viel besseres Ich wählt natürlich aus allen Speisen dieser Erde diejenigen aus, die am schwierigsten herzustellen sind und einer Vorbereitungszeit von mindestens zwei Tagen verlangen. Da der nächste Freitag bereits ein Feiertag ist, können wir unsere Soirée für den Samstag ansetzen. Also fangen wir am Donnerstag mit den Vorbereitungen an.

Vorher schreiten wir jedoch zur Mengenbestimmung, um den Einkaufszettel gestalten zu können. Die Formel lautet:

Menge = ((PAnz max x 1,5) + (GAnz x 1,5)) + (GAnz*20%)

Im Klartext: Personenanzahl (maximale Anzahl, inklusive derer, die bereits abgesagt haben, mal 1,5) multipliziert mit der Anzahl der verschiedenen Gerichte (x 1,5), zuzüglich einem Sicherheitswert, der aus 20 Prozent der Anzahl der Gäste besteht.

Zur Erklärung: jeder Gast (27; denn sechs haben abgesagt) sollte zunächst sicher eine Portion von jedem Gericht (14) essen können. Dann haben wir Gäste mit mehr Hunger (Faktor 1,5) und solche, die eine weitere Portion essen möchten (nochmal 1,5). 2,8 Portionen, also aufgerundet 3, kommen noch hinzu. „Weißt Du denn nicht mehr, wie das war, als wir bei Tina und Bernd waren und das Sauerkraut nicht gereicht hat?“

Rein rechnerisch ergeben sich nun 66,9 Portionen, die wir auf 70 erhöhen. Das sollte vielleicht langen. Um sicherzugehen hatte ich ohnehin noch 30 Tiefkühl-Pizzas eingekauft. Vielleicht würde etwas übrigbleiben, aber wichtig ist, daß jeder prinzipiell von allem in ausreichender Anzahl bekommen sollte, worauf er Lust hat.

Mittlerweile liegt das Fest seit 3 Wochen hinter uns. Es war wirklich sehr schön. Meinen Berechnungen zufolge könnten die Reste aus der Tiefkühltruhe in 5 Wochen vertilgt sein.

Doch seit kurzem aber erscheint mir mein viel besseres Ich irgendwie unruhig und unzufrieden...

 


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Stand: Donnerstag, 24. Februar 2011