Du brauchst mir nichts mitbringen...   

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Du brauchst mir nichts mitbringen...

Hat dir deine Frau auch schon einmal gesagt, du bräuchtest ihr von einer Reise nichts mitbringen? „Ich freue mich, dich bald wiederzuhaben, außerdem können wir es uns momentan nicht leisten.“ Oder: „Weihnachten schenken wir uns nichts, gell? Hast du diesen wunderschönen Ring im Schaufenster gesehen? So etwas wollte ich schon immer einmal haben. Aber vielleicht erst in ein paar Jahren“.

Hast du das ernst genommen und bist mit leeren Händen aufgekreuzt? Dann sicher nur einmal, vorausgesetzt, du bist weder Sadist noch Masochist, also einfach Mann.

Sie meinen es wirklich ernst, das sollte man Ihnen wirklich nicht unterstellen. Sie meinen es ehrlich, bis zu dem Moment, an dem wir mit leeren Händen vor ihnen stehen.

Ein Mann sollte alle Ratschläge einer Frau beherzigen, muß sich aber über einen Teil hinwegsetzen. Das ist einfach so. Welche hier echt sind und welche zu mißachten sind, ist allein der männlichen Intuition zu überlassen. Da es die in den Augen der Frauen gar nicht gibt, befinden wir uns in einem Zwiespalt, gegen den die Definition der griechischer Tragödie wie eine Lappalie aussieht. Aus eigener Kraft können wir uns aus dieser ausweglosen Situation eigentlich gar nicht allein befreien.

Hier ein kleiner Ratgeber für Geschenke, die man nicht mitgebracht hat, egal zu welcher Gelegenheit. Als erstes mußt du lügen. Hüte dich davor zu sagen: „Aber du hast doch selber gesagt...“. „Nein“, wird sie entgegnen, „wenn du mich liebst, dann hättest du daran gedacht, mir wenigstens eine Kleinigkeit mitzubringen“ Kennst du Kleinigkeiten im Zusammenhang mit einer Frau?

Sicher muß es nichts Großes sein. Volumen verlangen sie nicht, unsere lieben Geschöpfe. Es langt schon, wenn es in ein winziges, mit Samt ausgeschlagenes Schächtelchen paßt. Aber dann sollte es unbedingt ein wenig funkeln, nach oben hin ist die Funkelfähigkeit allerdings unbegrenzt. Da schränken sie uns kein bißchen ein, so daß wir hier absolut freie Hand haben. Da soll noch jemand sagen, wir Männer wären unterdrückt und gegängelt...

Aber wie immer gibt es auch zu dieser Regel eine Ausnahme. Denn so einfach wie beschrieben geht es auch nicht. Immer muß das Geschenk in Relation zum Verbrechen stehen. Hast du den Hochzeitstag vergessen und bringst am nächsten Tag ein Sträußchen Vergißmeinnicht mit, kannst di dir gleich einen guten Scheidungsanwalt suchen. Hast du dagegen nur den Geburtstag ihrer Urgroßtante vergessen, wäre es ebenso falsch, am nächsten Tag mit einem Diamantencollier aufzutauchen. Ihr wird sich sofort die Frage aufdrängen, was du verbrochen hast, das du hiermit zu vertuschen suchst.

Ist dir dennoch etwas in dieser Art passiert, so gilt es nun, deinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. In diesem Falle musst du aus der Inquisition lernen: Gestehe irgend etwas Ungefährliches. Unschuldsbeteuerungen, und seien sie noch so wahr, sind stets höchst verdächtig und werden dich zwangsläufig an den Abgrund führen.

Nun aber zurück zum Ausgangspunkt. Wir haben also das strikte Verbot von Mitbringseln. Also gehen wir, wenn wir die bittere Lektion gelernt haben, los und erstehen etwas. Da wir Männer keine vernunftbegabten Wesen sind, sprich: blind und ohne Phantasie, werden wir uns zunächst nach etwas Praktischem umsehen. Schließlich hat sie uns ja ständig eine Menge Tips gegeben.

Siegessicher kaufen wir: eine Brotbackmaschine (3 Monate Liebesentzug bei stets angebranntem Essen, aber wundersamerweise nur auf unserem Teller), die phantastische 23teilige Edelstahltopf-Garnitur, bei der garantiert nichts mehr haften bleibt (nicht einmal mehr deine Frau an dir) oder gar den neuen Bügelbrettbezug mit Dampfporen und Beschichtung für leichtes Arbeiten? (Urteil: lebenslang Schmorspuren an den sichtbaren Teilen deiner Garderobe). Geschenke, die man in Kaffeegeschäften, im Versandhandel oder direkt aus der TV-Werbung beziehen kann, werden mit mittlerer bis schwerer Verachtung geahndet. Ebenso Dinge wie das 14teilige „Frauen-Verwöhn-Set mit farbig bebildeter Anleitung für eine moderne harmonische Beziehung, die über das Normalmaß hinausgeht“ (mit einigen Teilen auch für IHN, hehehe). Ganz besonders, wenn sie Ihr Geschenk in Gegenwart von Freunden auspacken muß, kannst du dir gleich dein persönliches Do-it-yourself-Set für die nächsten Jahre bestellen, die du allein im Haus verbringen wirst.

Gehen wir davon aus, daß du bereits nach dem fünften Mal (für einen Mann schon ein verdammt guter Wert) deine Lektion gelernt hast und deine Frau in dieser Hinsicht wenigstens annähernd zu verstehen glaubst. Du bist in das richtige Geschäft gegangen und hast das Gewünschte erstanden. Wenn es sich um Kleidung handelt, sogar in der passenden Größe. Toll, alle Achtung. Jetzt gehörst du zu den letzten 5% der männlichen Bevölkerung (von denen wiederum 90 Prozent schwul sein sollen). Deine Frau gibt ihrer Freude sichtlich Ausdruck, und du bist überzeugt, ins Schwarze getroffen zu haben. Schon einmal davon gehört, daß sie auch einen Orgasmus vortäuschen kann?

Was die Frauen an uns so ganz besonders lieben, ist unsere Fähigkeit, die Dinge beim Namen zu nennen. „Danke für das Geschenk. Wo kann ich das umtauschen?“. „Du müßtest doch wissen, daß ich braun hasse.“ Oder: „Au toll. Das kann ich ja zur Gartenarbeit anziehen“...

Mein viel besseres Ich gibt mir immer das Gefühl, genau das Richtige ausgesucht zu haben. Sie wird mit immer vor Freude um den Hals fallen und das scheußlichste Schmuckstück auf Erden auch eine ganze Zeitlang tragen. Aber irgendwann kriegt man es doch raus.

Was ist besser? Soll sie dir gleich sagen, daß du einen vollkommenen Geschmack für Kitsch hast, daß du ein Haarscharf-daneben-Grapscher bist, daß du farbenblind bist - kurzum ein Mann? Das Wichtigste ist aber, daß wir dazulernen und immer öfter in die richtige Schublade greifen. Irgendwann kapiert es auch ein Mann. Oder ???

Und nun kommen wir zurück zum Ausgangspunkt unserer Geschichte: du hast dein Geschenk. Behalte dein Glücksgefühl aber um Himmels willen für dich und tröte ihr nicht schon am Telefon ins Ohr, daß du ungehorsam gewesen bist. Denn dann wird sie sich so lange löchern, bis du ihr das Geschenk verraten hast. Dann gilt es als solches nicht mehr, und das Spiel geht von vorne los.

Also halte deinen Mund und überreiche später mit gesenktem Haupte deine Liebesgabe. Sie wird dich zwar schimpfen, daß du gegen eure Vereinbarung verstoßen habt, aber sie wird dir sofort wieder verzeihen. Je funkel desto eher.

Laß das Verwöhn-Set aber selbst jetzt weiter in der Schublade.

 


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Stand: Donnerstag, 24. Februar 2011