Kap.2: Die Redaktion   

                                                                 Ein Leben voller Sehnsucht, Leidenschaft und Mutti.     

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Die Redaktion

Der Osten von  Alpstadt glühte. Das neue Gebäude des Alpstadt-Verlages war kürzlich bezogen worden, und das gläserne Hochhaus strahlte dank einer Vielzahl von Energiesparleuchten, Leuchtreklamen und den roten Laternen des lange vorher hier schon angesiedelten Rotlichtbezirks. Die Journalisten der hier beheimateten Zeitungen und Zeitschriften haßten diesen Ort. Weitab vom Schuß im Niemandsland. Früher konnte man in der Stadtmitte schnell mal aus der Redaktion in ein kleines Cafe fliehen, heute gab es nur noch die Werkskantine und die drei Würstchenbuden der Umgebung.

Eine Fahrt in die Stadtmitte mit den öffentlichen Verkehrsmitteln dauerte ewig und war erschreckend langweilig. Mit dem Auto stand man stets im Stau.

Dennoch vibrierte dieser Ort vor Energie, da hier alle Informationen dieser Erde zusammenzulaufen schienen. Zumindest fühlten sich die Journalisten als Zentrum der Welt.

Hägar Meister wußte: DAS IST MEIN TAG. Alles lief wie am Schnürchen. Dabei stand er seit Monaten sehr unter Beschuß seines Chefredakteurs, der seine genialen Fähigkeiten einfach immer ignorierte, seit Meister vor 20 Jahren als Volontär und dann als Hilfsredakteur in die Lokalredaktion des Alpstadt Kuriers eingetreten war. Hägars Ziel war die Übernahme des Feuilleton-Ressorts als Chef. Er fühlte sich dazu berufen. Vor allem, weil er dieses Wort schreiben und oft auch aussprechen konnte. Darüber hinaus wußte er, daß Kultur nichts Meßbares war, so daß man damit auch nicht auffiel, wenn man in seinen Beurteilungen total daneben lag. "Alles wunderbar wischiwaschi für so einen genialen Typen wie mich", dachte sich Meister.

Meisters Ruf in der Redaktion war nicht umstritten. Alle waren sich einig, daß er ein Gelegenheitstrinker sei, da er jede Gelegenheit zum Trinken ergriff. Sein Spitzname war daher schnell klar - einfach eine Verballhornung seines Namens mittels eines beliebten alkoholischen Getränkes. Und auch sonst war Meister aufgrund seiner Selbstherrlichkeit, seines Sarkasmus und seiner schlechten Manieren bei Jedermann unbeliebt.

Seine Vorliebe für jede Art von Alkohol hemmte allerdings manchmal seine Aktivitäten, da er zu manchen Terminen gar nicht oder vollkommen besoffen erschien. So manches Kartenspiel und so manche Halbe hatten oft mehr Gewicht als beispielsweise ein Gastspiel von Nana Metrobka in der Stadthalle.  Aber irgendwie schaffte er es, diese gefährlichen Klippen wie ein Jurist zu umschiffen: das sprichwörtliche Glück der Rechtschaffenen und der Besoffenen. Auf diese Fähigkeiten war er auch unglaublich stolz. „Die Idioten in der Redaktion können mich mal“, murmelte er immer wieder in seinen wirren und ungepflegten Bart. „Die Deppen können mir eh nie das Wasser reichen. Bald bin ich Chef, und dann kann ich auf allen Vernissagen Champagner bis zum Abwinken saufen. Adieu, ihr Gerichtsverhandlungen über euch Spießer, ihr Kaninchenzüchter oder ihr Scheiß-Fabrikanten wie der Karfunkel. Obwohl... das war heute wieder gut. Wahrscheinlich hat’s der Chef schon erfahren, was für ein Hund ich bin, und heute Abend kann ich als Chef des Feuilleton zum ersten Mal meinen eigenen Ledersessel einpupsen. Ich bin halt doch zu Höherem geboren“. Der Gedanke tat ihm wohl. Er hatte sich in den letzten Jahren auf die Pirsch gelegt und sich mühevoll Schritt für Schritt zu diesem Ressort vorangekämpft.

Schließlich hatte er schon eine größere Beachtung durch seine Freitagskolumne Ein Tag wie du und ich in der Wochenendbeilage erlangt, in der er als Running Gag seine launigen Weltbetrachtungen mit seinem alten Rowenta-Toaster diskutiert. Diese absurde Idee wurde eines Nachts nach fünf Gin Tonic und einem Streit mit mit seiner Freundin geboren. Sie hatte gerade laut schreiend die Tür zugeknallt und seine Wohnung verlassen. Als Mann der Tat stellte sich Meister sofort der Notwendigkeit, ein weiteres Getränk mixen zu müssen.  

[zur Kolumne von Hägar Meister siehe Meister-Kolumne. (Anmerkung des Herausgebers)]

Meister trank alles aus demselben Becher, einem ehemaligen Senfglas. Wasser (selten), Wein, seinen geliebten eisgekühlten Mariacron, Sekt, Bier, Tee und Weißbier . Alles. Er hatte die Angewohnheit, die Zitronenscheiben seiner Gin Tonics im Glas zu belassen und jeweils frische dazuzugeben, was dazu führte, daß immer  weniger Tonic hineinpaßte. Er griff zum frischgefüllten Glas mit den acht Zitronenscheiben und wollte sich gerade mit den Worten „Ein Mann braucht vor allem Vitamine“  zuprosten, als er am Toaster hängenblieb und dort alles hineinschüttete. „Scheische“, murmelte er, „der schöne Drink futsch. Wir kriegisch meine tschehn Tschitronen da widda raus?“ Dann kam er auf eine glänzende Idee. Einstecken, einschalten und das Glas schon mal danebenhalten. Doch die zwölf Scheiben hatten sich verkeilt, und als der Toaster auswerfen wollte, tat sich nichts. „Mischt“, nuschelte Meister, „aber dem Inscheniör ischt nischt tschu schwör.“ Dann startete er den Toaster erneut, bewaffnete sich mit einer Gabel und steckte sie schon einmal rein. Die nächsten Minuten erzeugten eine unbeschreiblich innige Verbindung zwischen ihm und seinem alten Rowenta, die den Rest seines Lebens anhielt.

Die Zwiesprache mit seinem Toaster gefiel den Lesern, die seinen eloquenten Stil und seine witzigen Pointen immer mehr zu schätzen lernten. Sie wußten schließlich nicht, daß er den größten Teil seiner tiefschürfenden Lebensweisheiten aus unaufgefordert eingesandten Manuskripten stahl, die jeden Tag das Faxgerät der Redaktion zum Überquellen brachten. Diese Gedanken mußten meist nur umformuliert und auf Meisters Niveau gesenkt werden – und schon war wieder eine Freitagsausgabe gesichert.

„Heute ist Frühlingsbeginn, und heute beginnt ein neuer Abschnitt in meinem Leben.“ Meister hatte noch nie in seinem Leben so genau ins Schwarze getroffen. Die laue Luft hatte ihn inspiriert, er spürte den frischen Saft in seinem Körper. Er war einfach ein Siegertyp.

Mit diesen Gedanken hastete er erwartungsvoll die Stufen des Redaktionsgebäudes hinauf, riß die Tür zur Lokalredaktion auf und genoß die süßen Worte der Sekretärin, als sie sich zum ihm umdrehte: „Hägar, Du sollst zum Chef!“

„Ich weiß“, erwiderte Meister. „Ich weiß“. Und er glühte vor Erwartung.

Häger hatte sich auf diesen Augenblick schon so lange gefreut. Er fühlte, wie sein ganzes Leben an ihm vorbeizog. Seine Demütigungen, Niederlagen und Verluste, sogar seine kleinen Erfolge. Das Bewußtsein, endlich am Ziel angekommen zu sein, obwohl er in letzter Zeit den nur auf ihn gerichteten Zynismus des Chefs vom Dienst ertragen mußte, ließ ihn fast hyperventilieren. Sollte er jetzt wirklich die Belohnung für all sein Bemühen erhalten?

Starr stand er da wie paralysiert.

Schließlich rief die Redaktionssekretärin schnippisch  "Willst Du hier noch eine Woche warten und herumstehen, Hägar? Der Chef und Ihre Leser warten doch!"

„Ja, aber, aber wo ist das Faxgerät?“

„Abgeschafft. Landet alles jetzt bei mir im PC.“

„Aber...“

„Hägar, der Che-hef!“.

Hägar schüttelte seinen Kopf, als müsse er ihn frei bekommen. "Ja `ntschuldigung, schon gut" murmelte er und ging raschen Schrittes auf das Büro des Chefs zu.  Er  klopfte nur kurz an, dann drückte er genußvoll die Tür zum Büro auf, wenngleich ihn das Fehlen des Faxgerätes doch sehr irritierte.

Jens Kartenbier schaute auf,  lächelte ihm entgegen und lud ihn mit einer Handbewegung zum Sitzen ein. " Herr Meister! Kommen Sie rein, mein Guter. Sie machen ja wirklich Ihrem Namen alle Ehre".  Der  Chefredakteur duzte alle, bis auf ihn. "Schön, daß Sie für mich Zeit haben, wo Sie doch so eifrig bei allen Sachen sind. Sie haben sich ja auch um die Stelle des Feuilletonchefs beworben, wie ich erfahren habe. Seit Ihrer gestrigen Rezension ist die Entscheidung wohl endgültig gefallen."

Meister wurde rot. „JETZT!“, dachte er sich und sah sich schon als VIP auf den Mega-Events der Stadt, umringt von schönen Damen, die begierig seine künstlerische Meinung und mehr von ihm suchten.

"Nun, ich habe mir hier Ihr jüngstes Highlight herausgesucht. Aufgrund der Fülle Ihrer ohnehin immer besonders herausragenden Arbeiten fiel mir die Wahl natürlich schwer." Soll ich vorlesen, oder wollen Sie?

Ach, wissen Sie, Meister, das möchte ich doch wirklich vom Künstler selbst hören. Lesungen sind immer so unmittelbar und beeindruckend.“

Er überreichte Meister eine Seite aus dem heutigen Feuilleton und verbeugte sich dabei ehrfürchtig vor ihm.

Mit zitternden Händen nahm Meister die Zeitung in die Hand, überflog den Text und grinste innerlich:  „Klar, meine Rezension von gestern. Die war einfach genial. Die haut so richtig rein. Die mußte ihm gefallen.“ Nicht von ungefähr galt Meister als der gefürchtetste Kulturkritiker der Stadt. Und so begann er mit der Schlagzeile.

„Eine Schöne Ch...ansonette im Gassensteig. Eine ohrale Beleidigung.“

Er blickte auf Kartenbier, der ihm lächelnd vermittelte, den Wortwitz verstanden zu haben. Beschwingt fuhr Meister fort:

Gestern mußten wir in unserer frisch renovierten Kulturarena am Gassensteig erneut eine ungewöhnlich mittelmäßige Aufführung von Carlo Frascatis Komischer Operette „Die schöne Chansonette“ ertragen. Nicht, daß sich die Schauspieler nicht anstrengten, aber es reichte dann doch nicht, den Funken der Begeisterung zu entfachen. Und, ehrlich gesagt, wir vermochten noch nicht einmal diesen in Ansätzen zu spüren. Vor allem Lydia von Boysen-Behry enttäuschte schwer. Die Dilettantin überzeugte als Chansonette Chouchou mit ihrer dünnen Stimme, die umgekehrt proportional zu ihrem Leibesumfang stand, überhaupt nicht. Ganz offenbar war sie zusätzlich zu Ihrer Unfähigkeit, die richtigen Töne zu treffen, derer wir letztes Jahr schon Zeuge sein mußten, noch zusätzlich sehr indisponiert.“

„Indisponiert?“ unterbrach Kartenbier.

„Indisponiert“, wiederholte Meister.

„Gut. Fahren Sie fort, Meister“.

„Auch der sicher nicht nur in Ehren ergraute Alois Dumpfbichl in der Rolle ihres jugendlichen Galans Fréderick Chapeau, vermochte mit seinem Tenor-Stimmchen niemanden zu beeindrucken. Und damit sind die Höhepunkte der gestrigen Aufführung bereits hinlänglich beschrieben und deutlich übertrieben. Über die Nebenrollen zu schreiben, wäre zuviel der Ehre. Das Bühnenbild entsprach dem Niveau der Darbietung.

Und so trällerte sich die chancenlose Chose mit der schlaffen Chansonette Chouchou in Morpheus' Schoß. Schade bloß um die Statisten, die ihre Zeit woanders gewinnbringender hätten verschwenden können. Und schade um die schöne Zeit, die wir hier absitzen mußten.“

Meister ließ den letzten Satz noch einen Moment wirken und schaute dann theatralisch langsam auf. Jens Kartenbier klatschte. „Bravo, lieber Meister, ein wahres Meisterwerk. Bravo“.

Meister wurde rot. „Ja“, dachte er bei sich, „ja, jetzt wird alles gut. Man muß einfach nur beharrlich seinen Weg gehen. Jetzt bin ICH der Held des Tages. Denn keiner  kann so gute Verrisse schreiben wie ich.“

„Besonders die Sache mit dem 'indisponiert'. Da haben Sie so voll ins Schwarze getroffen. Und ich hatte Sie tatsächlich immer unterschätzt!“

„Tja, sagte Meister versöhnlich, „ist schon gut. Bin ich gewohnt.“

„Doch, lieber Meister, die gute Frau Boysen-Behry war nämlich so indisponiert, daß sie verstarb.“

„Wußte ich's doch,“ rief Meister erregt, „das konnte nicht gutgehen. Das hat man gespürt.“

„Vor der Aufführung.“

„Bitte?“

„Vor der Aufführung.“

„Äh?“

„Sie verstarb vor der Aufführung, die natürlich abgesagt wurde. Also nix Gassensteig. Nix Ohrales, eher Letales.“

Hägar Meister wurde sehr still. Er schaute verlegen nach unten.

„Vielleicht ist diese Tatsache gestern nicht ins Grüne Eck gelangt, wo zeitgleich das Busenwunder Lotti Flotti eine Pressekonferenz abhielt, und auf der sich ein bekannter Journalist im Namen der Pressefreiheit fast bewußtlos grapschte und soff?“

„Also letztes Jahr...“

„War letztes Jahr, und da hat man keine Recht, seine alte Rezension auch noch aufzumotzen“, unterbrach ihn Kartenbier. „Schon damals war Ihre Rezension impertinent. Sogar OB Heyden persönlich hatte sich über Ihr Machwerk beschwert. Naja, schließlich ist er auch mit den Boysen-Behrys verwandt. Gerade dann darf man aber so etwas einfach nicht schreiben. Das müßten Sie als – zumindest langjähriger - Journalist doch wissen.

Aber gestern, gestern war wirklich der Höhepunkt Ihres literarischen Schaffens. Der Verriß eines nie stattgefundenen Ereignis direkt neben dem Nachruf des Stars. Toll, Meister!“

„Naja, einmal kann man ja wohl einen Fehler machen, oder?“

„ Einmal, verehrter Meister, EINMAL??“, Kartenbiers Stimme wurde lauter und bedrohlicher, während sich die gesamte Redaktion außen um die Tür drängte, um Kartenbiers Ausbruch genießen zu können. „Soll ich mal Ihre gesamten Peinlichkeiten allein der letzten Wochen aufzählen?“, schrie er, und seine Halsschlagader schwoll an wie ein mäandernder Fluß.

„Hier“, und er zog einen dicken Stapel Blätter hervor, „hier sind Ihre absoluten Spitzen. Nehmen wir das mal: Ich gebe Ihnen die Aufgabe, einen Beitrag zum Pro und Kontra der geplanten Steuererhöhung zu schreiben. Und was tut Meister? Na? Richtig! Er geht in seine Lieblingskneipe, um für sie ungeniert Schleichwerbung zu betreiben, natürlich nicht uneigennnützig, und interviewt eine halbe Lokalseite lang den Wirt.“

„Aber der weiß doch am besten...“, jammerte Meister.

Kartenbier schnitt ihm sofort das Wort ab. „Meister, sind Sie nur schwerhörig oder sind Sie schwerdenklich? Naja, wahrscheinlich beides! Mann, es ging um die Erhöhung der Mehr-Wert-Steuer. Nicht, wie Sie dauernd schrieben, die NÄHRwertsteuer, Sie Hornochse.“

„Oh“

„Und was war mit dem Teuro? Haben Sie's immer noch nicht kapiert? Sind Sie den Herren Restaurantbesitzern wirklich auf den Leim gegangen? Besonders Ihrem Maitre S. Carbot, zu dem Sie ja wohl ein inniges Verhältnis pflegen. Ich zitiere:

S. Carbot zeigt uns stolz eine alte Speisenkarte von 1999. „Voyez, damals hat das „Pièce de quelquechose  du chasseur“ 19,90 gekostet. Und eute?, mais oui, es kostet nür noch 18,90. Von wegen Verteuerung... Oder unser  « Fruit du sud sur un peu de fromage du levre » ? Damals 12,50 heute 12,40. Auch diese Specialité ist sogar geworden billiger.“  Ja, liebe Leser, und für Sie ging ich noch in Piet van Cees' Gourmettempel 'Sauciere'. Der Chef persönlich hat mich hinreichend aufgeklärt. Damals 7,90 für ein Viertel Grüner Holländer, und auch heute noch, nach so langer Zeit, 7,90 für 1 cl exakt desselben Weines. Sogar ein noch besserer Jahrgang, wie er überzeugend lächelt. „Von den Hängen der Grachten direkt in Ihren Becher“. Wir danken den Spitzenmetronomen unserer Stadt für die Aufklärung und können unseren Lesern hiermit endgültig beweisen, daß der angeblich teure Euro doch nur eine gefühlte Verteuerung ist.

„Zum Glück hat der Abendchef noch reagiert und Ihren Artikel in die Rubrik 'Satire' gestellt, Sie Hornochse. Und ein Wirt ist in der Regel kein Metronom, sondern Gastronom. Keine Verteuerung? Früher hatte ich selbst eine gefüllte Geldbörse,  jetzt ist sie nur noch gefühlt, besonders nach einem Abend bei Ihren Spitzenmetronomen, Herr Meister. Wohl nicht wirklich erstaunlich, wenn man statt 19 MARK 90 für ein Jägerschnitzel jetzt satte - Hallo, ich rede mit Ihnen Herr Meister!  - 18 EURO 80 berappen muß .Und 12 Mark 50 für Leberkäs' Hawaii war damals schon übertrieben. Noch Fragen. Herr Generalinvestigator?“

„Wirtschaftsthemen liegen mir halt nicht“

„Warum hängen Sie dann ausschließlich in Wirtschaften rum?“

Meister grübelte nach. „Dann werde ich vorläufig wohl doch nicht Chef vom Feuilleton?“

„Vorläufig? Mann, Sie können froh sein, wenn ich Sie nicht an Heyden und die Meute verfüttere. Wissen Sie, ich würde Sie wahnsinnig gerne feuern, aber so billig kommen Sie mir nicht davon, mein Guter. So leicht ruiniert man mir nicht die Zeitung und haut dann ab. Ich mache Sie jetzt ganz klein, noch kleiner als Sie eh schon sind. Und den Rest kann ja dann Frau Kock erledigen, ganz besonders, wenn Sie die Bilder vom Grünen Eck mit Ihnen und Frau Flotti auf ihren Redaktionstisch bekommt. Oder wußten Sie nicht, daß die neue Aushilfe der Kneipe eine Undercover-Redakteurin der Frauenpower ist? Ganz schön naiv und unwissend, unser Herr Investigationsspezialist, gell?“

Meister wurde blaß. Woher wußte Kartenbier von seiner Liäson mit Emma Kock, der Herausgeberin der radikal-feministischen Zeitschrift Frauenpower. Naja, Liäson war ein bißchen zu viel gesagt. Emma benutzte ihn eher für manche Dinge. Wenigstens gehörte Sex meist nicht dazu. Aber das ganze roch nach Ärger und Prügel.

„Sie kriegen jetzt drei Spezialaufgaben, Meister. Wenn Sie da was vermasseln, sind Sie endgültig weg.

Erstens: sie gehen der Karfunkelsache nach. Konkurs? Umweltverschmutzung? Mobbing? Heyden will ihn loswerden, und ich möchte wissen weshalb. Der Karfunkelsohn hat sich heute eh schon über Sie beschwert. Der Idiot paßt zu Ihnen. Zweitens haben wir Informationen über terroristische Aktivitäten in unserer Stadt erhalten, von rechts, von links, keine Ahnung. Ich will Fakten, Fakten, Fakten, Mann.  Drittens: Sekten in Alpstadt. Nur zur Verdeutlichung: Sekten, nicht Sekt, Prosecco oder Champagner. Verstanden? Ich weiß zwar nicht, warum ich ausgerechnet Sie damit beauftrage, aber offenbar sind Sie jemand, der das ganze Unheil der Welt anzieht. Dann können Sie auch darüber berichten.

Und nun recherchieren Sie mal. Aber keine Vernissagen, Theater, Kinopremieren mit Sektempfängen mehr. VOR ALLEM ABER: OHNE PANNEN! Und ohne jegliches Spesenkonto, das Sie sonst eh immer alleine leersaufen. Und ich möchte über alles informiert werden, verstanden?“

Meister stand erleichtert auf, glücklich, noch einmal glimpflich davongekommen zu sein. Mit dem Gedanken „Warum passiert MIR immer sowas?“ zog er schwungvoll die Tür auf und flog über sieben hereinpurzelnde Kollegen.

„UND AUCH DIE SIEBEN ZWERGE VERSCHWINDEN AUGENBLICKLICH  AUS MEINEM BÜRO“, schrie Kartenbier.

Hastig rannte jeder zu seinem Schreibtisch. Nur Hägar Meister verließ die Redaktion und begab sich als Spezialagent mit Sonderaufgaben direkt ins Grüne Eck.

 


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Stand: Donnerstag, 24. Februar 2011