Kap.11: Ein Start ins Leben   

                                                                 Ein Leben voller Sehnsucht, Leidenschaft und Mutti.     

Home Meister-Kolumne Wichtige Hinweise! Impressum Über den Autor Jobs Newsletter Links              

Home

Ein Start ins Leben

Vergnügt begann Karfunkel den Tag trotz der Nachwehen des verbogenen Käses. Heute war der Tag der Tage! Endlich frei!

Schnell schlich sich Karfunkel aus dem Haus und setzte sich in seinen wieder blitzenden AMW, der für viel Geld perfekt repariert worden war. Sein ganzer Stolz!. Auch sein Parkplatz in der Firma war frei, der sonst immer von irgendeinem Mini-AMW der Praktikantinnen zugeparkt war. Das war das größte Logistik-Problem der Karfunkel-Werke: wo sollten die 123 Mini-AMWs parken?

Genauso heimlich verzog sich Karfunkel in sein Büro, das über eine separate Tür in den Gang verfügte. Den ganzen Tag hörte er das Schniefen, Stöhnen, Keuchen und Prusten seiner neuen Sekretärin und zwang sich, nicht daran zu denken, wo sie gerade ihre Finger hatte. Manchmal hörte er das Klingeln des Telefons, und ihre rostige Stimme schrie: „Naa. Der ist nicht da. Weiß ich nicht. Weiß ich auch nicht. Bitte. Tschüss."

Karfunkel verhielt sich leise in seinem Büro und blätterte die zurechtgelegten Akten vorsichtig durch. Er machte sich Notizen in ein Heft mit grünem, rotem und schwarzem Stift.

Endlich wurde es Nachmittag. Befreit räumte er die Akten in seinen Schreibtisch, zog sich sein Jackett an und lauschte an der Tür. Als er sicher war, daß sich niemand im Gang befand, schlich er raus und huschte über das selten benutzte hintere Treppenhaus ins Erdgeschoß. Unbehelligt erreichte er schließlich sein Auto. Und startete sofort

Der Sechszylinder schnurrte angenehm, und Karfunkel dachte sich: „Na das hat sich wohl doch gelohnt mit dem Öl. Der hört sich ja ganz besonders gut an."

Er gab Ripperstraße 25 in sein Navi ein und fuhr los. „Auf, auf! Ab ins Leben", schrie er laut. Eine halbe Stunde später war er angekommen. Je mehr er sich seinem Ziel genähert hatte, desto leerer, enger, schlaglöchriger wurden die Straßen. Aber die Häuser wurden dafür immer bunter. Überall bunte Zeichnungen und Bilder an den Wänden, registrierte Karfunkel freudig. Hier müssen die Menschen wohl glücklicher sein! Die ausgeschlachteten Autowracks am Straßenrand irritierten ihn dagegen sehr. So suchte er nach einem sicheren Parkplatz in der Nähe seines Zieles, den er schnell fand. Ein großer, noch total leerer Parkplatz, wie das handgeschriebene Schild auswies. Eigentlich sah dieser Parkplatz eher aus wie eine verwahrloste Wiese. Neben den Schild 'Bewachta Parkplatz' saß auf einem Hocker ein drahtiger, braungebrannter Mann, der Karfunkel anstrahlte.

Karfunkel hielt neben ihm an und sagte: „Ist der wirklich bewacht?"

„Keine Sorge; mein Herr, issa bewacht ganze Nacht und ganze Tag".

„Und die zwei Schrottautos da hinten?" Voller Sorge blickte Karfunkel auf zwei ausgeschlachtete Autos.

„Werden auch bewacht von mir. Leute so schlecht, heute. Frieher war anders."Ickke schlafe hier! Kosta solo un E-Uro per Stunde. Gebbe mir Schlüssel. Ich parke. Bald komme viele Macchina. Immer um diese Zeit. Habbe Sie Glück gehabt, daß Sie noch bekomme Platz, Signore. Könne zahle bei Abholung."

Karfunkel war zufrieden. Das war billig und er war zufrieden,daß er noch einen Parkplatz ergattert hatte, obwohl der Platz noch gähnend leer war. Er stieg aus und gab dem Mann den Schlüssel zu seinem AMW und ging Richtung Ripperstraße.

Luigi blieb zurück, mit den Schlüsseln eines dicken AMW in seiner Hand. Er war zufrieden, nein, er war glücklich! Sollte seine Pechsträhne etwa vorbei sein? Sie dauerte bereits sein ganzes 40jähriges Leben lang.

Luigi wurde als Sohn eines Fischers in Neapel geboren. Schon sehr früh hatten seine Eltern seine Talente nicht erkannt. Er hatte sich immer für alle Kreaturen interessiert und schon mit 5 Jahren sein erstes Tier, ein Eichhörnchen, fachmännisch seziert. Daher hatte er sich aus Neugier auch immer sofort auf die Fische gestürzt, die sein Vater in den Hafen brachte. Doch sein Vater meinte, das Ausnehmen von Fischen sei Frauensache. Ein Sohn müsse dem Vater assistieren. Luigi wurde jedoch immer sofort seekrank, sobald er das Boot seines Vaters betrat, und fiel meistens von Bord, wenn er sich über die Reling bückte. Sein Vater beschloß daher nach kurzer Zeit, seine Bemühungen, aus seinem Kind auch einen ordentlichen Fischer wie seine sieben Brüder zu machen, einzustellen. Aber Tierarzt? Nein! So etwas kam definitiv nicht in Frage! Tierarzt in Neapel! So ein Quatsch. Er sollte etwas Vernünftiges lernen. Doch die Mafia wollte ihn auch nicht haben – trotz seiner unbestrittenen Fähigkeit im Umgang mit Skalpellen. Bei der Betonmischer-Schulung stellte sich Luigi so dumm an, daß man ihn umgehend wegschickte.

Und so beschloß sein Vater, aus ihm endlich etwas Vernünftiges zu machen. Er sollte die Ehre seiner Familie retten und Pizzabäcker zu werden. „ Da kannst du Paprika und Tomaten und Pilze sezieren und die Menschen damit glücklich machen." Seine Mutter fügte hinzu: „Und du hast dann auch immer saubere Fingernägel, wenn du den Teig knetest." Widerspruch war zwecklos, und so schickte man ihn mit 20 Jahren in die Obhut seines Onkel nach Alemagna. Der hatte 1970 in Alpstadt das Fischlokal Bella Cozze eröffnet, den Namen aber bald in Frische Pesce gewechselt. Das klang zwar witziger, brachte aber nicht wesentlich mehr Gäste ins Lokal. Nach einigen seltsamen Todesfällen ehemaliger Gästen nahm Francesco Lugano – nicht zuletzt auch auf heftigen Druck des Kreisverwaltungsreferats - Meeresfrüchte von der Speisekarte und nannte sein Lokal fortan Fixa Pizza. Das gefiel den jungen Leuten in Alpstadt, die fortan hier herumlungerten, Francesco anpöbelten und gelegentlich sogar eine Pizza orderten.

Luigi stand tagaus tagein vor dem Pizzaofen und war unglücklich. Die Mädels himmelten den südländischen Menschen immer an, aber nur, um ihre Macker eifersüchtig und damit aufmerksamer zu machen. Mindestens einmal wöchentlich wurde Luigi von ihnen vermöbelt. „Du Spaghetti, laß bloß unsere Mädels in Ruhe!"

Das war kein Leben. Sein Onkel war auch der Meinung, daß kostenlose Unterkunft und Essen als Bezahlung für einen nahen Verwandten genug seien. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen schindete Luigi schließlich 100 Mark Taschengeld monatlich heraus. Das war zwar immer noch kein Leben, brachte Luigi jedoch in die Lage, sich gelegentlich Fachbücher über Tierheilkunde zu kaufen. Eines Tages, so sagte er sich stets, eines Tages würde er Tierarzt werden. Doch wie sollte er diesen Traum finanzieren? 

Dann kam er schließlich auf eine Idee. Er kaufte sich einen Hocker und posierte sich abwechselnd vor den Einfahrten der Alpstädter Parkhäuser. Wenn ein Auto kam, drückte er auf den Knopf des Automaten, übergab das Einfahrtticket an die Fahrer und sagte: "Heute pauschal 5 E-Uro. Abba zahle gleich." Sobald er das Geld in Händen hielt, schrieb er auf den Magnetstreifen "Bezahlt". Das konnte natürlich nur 1 bis 2 Stunden funktionieren. Sobald die ersten Parker zurückkamen, mußte er selbst weg sein. So klapperte er eine Tiefgarage nach der anderen ab. Die beste hielt er sich für zuletzt auf: die Tiefgarage an der Alpstädter Oper. Dort konnte er mit "Paushal 25 Euro" punkten. Das ging fantastisch, bis plötzlich ein Nopol Kastrat einfuhr. Der Fahrer reichte Luigi das Geld heraus und wollte losfahren. Doch die Beifahrerin kreischte: "Xaverle hat wieder mal Geld zu verschenken, gell? Laß dir sofort eine richtige Quittung geben, du Depp." Mit hochrotem Kopf schrie der Fahrer: "Ist schon gut, Irene. Wollt ich eh machen. Also; ich brauche eine Rechnung. Aber zack zack! Irene und ich sind  spät dran. Also los!"

Luigi griff in seine Jackentasche, holte ein Blatt Papier raus, schrieb drauf "Quitung Parken 25 Euro" und kritzelte darunter "Oper Parkhaus".

"Nee," rief der Fahrer, "ich bin Volljurist. Ich weiß, daß da ein Stempel und die Steuernummer drauf sein müssen." "Genau", schrie die Beifahrerin, und Volldepp ist er noch dazu".

"Müsse nicht".

"Muß doch".

"Verpisse dich. Hast du bekomme Quittung. Fahre runter."

Der Fahrer stieg aus und rief: "Ich habe Anspruch auf eine rechtsgültige Quittung!"

Luigi bemerkte, daß sich ein Polizist näherte, klappte seinen Hocker zusammen, rief "Ich dir hole Quittung von Biero" und rannte davon.

Der Nopol blockierte die Einfahrt noch geraume Zeit unter einem lauten Hupkonzert und heftigem Zetern einer schönen Frau im Nopol. Der Polizist befahl dem Fahrer schließlich, in die Tiefgarage zu fahren, was dieser auch unter lautem Maulen und erregtem Kreischen seiner Partnerin tat. "Und was ist mit meiner rechtsgültigen Quittung?" Natürlich war er dadurch zu spät dran und mußte den ersten Akt der Oper im Foyer hören. Seine Lebensgehährtin hörte zum Einschlafen einige Stunden später nicht auf ihm zu erklären, wie blöd er sei. Der Höhepunkt aber war, als er - wie alle anderen Parker dieses Abends - schließlich noch 50 Euro zahlen mußte. Die Quttierung Luigis auf dem Magnetstreifen machte diesen unleserlich und führte zur Erhebnung der Tagesgebühr. Liebig verzweifelte am Leben.

Für Luigi war diese Einnahmequelle nun für immer beendet, weil alle Zeitungen der Stadt vor ihm warnten. So kam er auf den Dreh mit Parkplätzen auf Wiesen und leeren Plätzen. Ein mühseliges Geschäft. Zwischenzeitlich lieh er sich manchmal Autos aus und verkaufte sie an befreundete Händler. Dabei war Luigi nicht sonderlich wählerisch. Ein Postauto mit laufendem Motor wurde von ihm genauso gern genommen wie PKWs an der Tankstelle, deren Besitzer schnell mal zum Zahlen gingen. Am liebsten hatte Luigi jedoch Taxen. "Gesucht wird ein gestohlenes Taxi, Farbe elfenbein": diese Meldung der Polizei klang lächerlich in einer Taxihochburg namens Alpstadt. 

Doch kürzlich bekam Luigi es mit der Angst zu tun. Er hatte das Gefühl, eine Zivilstreife sei hninter ihm. Er beschleunigte, das Auto hinter ihm auch. Er fuhr schneller, das hinter ihm auch. So ging das eine gewisse Zeit. Aber das erwartete Blaulicht ging nicht an. Luigi war sich jetzt sicher, daß das Auto hinter ihm harmlos war. Kurz nach den Karfunkel-Werken bremste er kurz und bog rechts ab. Das Auto hinter ihm raste geradeaus, und Luigi sah noch den roten Schein. "Jeder Deppe wisse, daß dort oft steht Kontrolla di Polizia", murmelte Luigi, während der Reporter im geblitzten Auto fluchte: "Scheiße. Sonst kennen die Taxler doch alle Blitzer. Deswegen bin ich doch hinter dem

Karfunkel war zufrieden. Das war billig und er war zufrieden,daß er noch einen Parkplatz ergattert hatte, obwohl der Platz noch gähnend leer war. Er stieg aus und gab dem Mann den Schlüssel zu seinem AMW und ging Richtung Ripperstraße.

Luigi blieb zurück, mit den Schlüsseln eines dicken AMW in seiner Hand. Er war zufrieden, nein, er war glücklich! Sollte seine Pechsträhne etwa vorbei sein? Sie dauerte bereits sein ganzes 40jähriges Leben lang.

Luigi wurde als Sohn eines Fischers in Neapel geboren. Schon sehr früh hatten seine Eltern seine Talente nicht erkannt. Er hatte sich immer für alle Kreaturen interessiert und schon mit 5 Jahren sein erstes Tier, ein Eichhörnchen, fachmännisch seziert. Daher hatte er sich aus Neugier auch immer sofort auf die Fische gestürzt, die sein Vater in den Hafen brachte. Doch sein Vater meinte, das Ausnehmen von Fischen sei Frauensache. Ein Sohn müsse dem Vater assistieren. Luigi wurde jedoch immer sofort seekrank, sobald er das Boot seines Vaters betrat, und fiel meistens von Bord, wenn er sich über die Reling bückte. Sein Vater beschloß daher nach kurzer Zeit, seine Bemühungen, aus seinem Kind auch einen ordentlichen Fischer wie seine sieben Brüder zu machen, einzustellen. Aber Tierarzt? Nein! So etwas kam definitiv nicht in Frage! Tierarzt in Neapel! So ein Quatsch. Er sollte etwas Vernünftiges lernen. Doch die Mafia wollte ihn auch nicht haben – trotz seiner unbestrittenen Fähigkeit im Umgang mit Skalpellen. Bei der Betonmischer-Schulung stellte sich Luigi so dumm an, daß man ihn umgehend wegschickte.

Und so beschloß sein Vater, aus ihm endlich etwas Vernünftiges zu machen. Er sollte die Ehre seiner Familie retten und Pizzabäcker zu werden. „ Da kannst du Paprika und Tomaten und Pilze sezieren und die Menschen damit glücklich machen." Seine Mutter fügte hinzu: „Und du hast dann auch immer saubere Fingernägel, wenn du den Teig knetest." Widerspruch war zwecklos, und so schickte man ihn mit 20 Jahren in die Obhut seines Onkel nach Alemagna. Der hatte 1970 in Alpstadt das Fischlokal Bella Cozze eröffnet, den Namen aber bald in Frische Pesce gewechselt. Das klang zwar witziger, brachte aber nicht wesentlich mehr Gäste ins Lokal. Nach einigen seltsamen Todesfällen ehemaliger Gästen nahm Francesco Lugano – nicht zuletzt auch auf heftigen Druck des Kreisverwaltungsreferats - Meeresfrüchte von der Speisekarte und nannte sein Lokal fortan Fixa Pizza. Das gefiel den jungen Leuten in Alpstadt, die fortan hier herumlungerten, Francesco anpöbelten und gelegentlich sogar eine Pizza orderten.

Luigi stand tagaus tagein vor dem Pizzaofen und war unglücklich. Die Mädels himmelten den südländischen Menschen immer an, aber nur, um ihre Macker eifersüchtig und damit aufmerksamer zu machen. Mindestens einmal wöchentlich wurde Luigi von ihnen vermöbelt. „Du Spaghetti, laß bloß unsere Mädels in Ruhe!"

Das war kein Leben. Sein Onkel war auch der Meinung, daß kostenlose Unterkunft und Essen als Bezahlung für einen nahen Verwandten genug seien. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen schindete Luigi schließlich 100 Mark Taschengeld monatlich heraus. Das war zwar immer noch kein Leben, brachte Luigi jedoch in die Lage, sich gelegentlich Fachbücher über Tierheilkunde zu kaufen. Eines Tages, so sagte er sich stets, eines Tages würde er Tierarzt werden. Doch wie sollte er diesen Traum finanzieren? 

Dann kam er schließlich auf eine Idee. Er kaufte sich einen Hocker und posierte sich abwechselnd vor den Einfahrten der Alpstädter Parkhäuser. Wenn ein Auto kam, drückte er auf den Knopf des Automaten, übergab das Einfahrtticket an die Fahrer und sagte: "Heute pauschal 5 E-Uro. Abba zahle gleich." Sobald er das Geld in Händen hielt, schrieb er auf den Magnetstreifen "Bezahlt". Das konnte natürlich nur 1 bis 2 Stunden funktionieren. Sobald die ersten Parker zurückkamen, mußte er selbst weg sein. So klapperte er eine Tiefgarage nach der anderen ab. Die beste hielt er sich für zuletzt auf: die Tiefgarage an der Alpstädter Oper. Dort konnte er mit "Paushal 25 Euro" punkten. Das ging fantastisch, bis plötzlich ein Nopol Kastrat einfuhr. Der Fahrer reichte Luigi das Geld heraus und wollte losfahren. Doch die Beifahrerin kreischte: "Xaverle hat wieder mal Geld zu verschenken, gell? Laß dir sofort eine richtige Quittung geben, du Depp." Mit hochrotem Kopf schrie der Fahrer: "Ist schon gut, Irene. Wollt ich eh machen. Also; ich brauche eine Rechnung. Aber zack zack! Irene und ich sind  spät dran. Also los!"

Luigi griff in seine Jackentasche, holte ein Blatt Papier raus, schrieb drauf "Quitung Parken 25 Euro" und kritzelte darunter "Oper Parkhaus".

"Nee," rief der Fahrer, "ich bin Volljurist. Ich weiß, daß da ein Stempel und die Steuernummer drauf sein müssen." "Genau", schrie die Beifahrerin, und Volldepp ist er noch dazu".

"Müsse nicht".

"Muß doch".

"Verpisse dich. Hast du bekomme Quittung. Fahre runter."

Der Fahrer stieg aus und rief: "Ich habe Anspruch auf eine rechtsgültige Quittung!"

Luigi bemerkte, daß sich ein Polizist näherte, klappte seinen Hocker zusammen, rief "Ich dir hole Quittung von Biero" und rannte davon.

Der Nopol blockierte die Einfahrt noch geraume Zeit unter einem lauten Hupkonzert und heftigem Zetern einer schönen Frau im Nopol. Der Polizist befahl dem Fahrer schließlich, in die Tiefgarage zu fahren, was dieser auch unter lautem Maulen und erregtem Kreischen seiner Partnerin tat. "Und was ist mit meiner rechtsgültigen Quittung?" Natürlich war er dadurch zu spät dran und mußte den ersten Akt der Oper im Foyer hören. Seine Lebensgehährtin hörte zum Einschlafen einige Stunden später nicht auf ihm zu erklären, wie blöd er sei. Der Höhepunkt aber war, als er - wie alle anderen Parker dieses Abends - schließlich noch 50 Euro zahlen mußte. Die Quttierung Luigis auf dem Magnetstreifen machte diesen unleserlich und führte zur Erhebnung der Tagesgebühr. Liebig verzweifelte am Leben.

Für Luigi war diese Einnahmequelle nun für immer beendet, weil alle Zeitungen der Stadt vor ihm warnten. So kam er auf den Dreh mit Parkplätzen auf Wiesen und leeren Plätzen. Ein mühseliges Geschäft. Zwischenzeitlich lieh er sich manchmal Autos aus und verkaufte sie an befreundete Händler. Dabei war Luigi nicht sonderlich wählerisch. Ein Postauto mit laufendem Motor wurde von ihm genauso gern genommen wie PKWs an der Tankstelle, deren Besitzer schnell mal zum Zahlen gingen. Am liebsten hatte Luigi jedoch Taxen. "Gesucht wird ein gestohlenes Taxi, Farbe elfenbein": diese Meldung der Polizei klang lächerlich in einer Taxihochburg namens Alpstadt. 

Doch kürzlich bekam Luigi es mit der Angst zu tun. Er hatte das Gefühl, eine Zivilstreife sei hninter ihm. Er beschleunigte, das Auto hinter ihm auch. Er fuhr schneller, das hinter ihm auch. So ging das eine gewisse Zeit. Aber das erwartete Blaulicht ging nicht an. Luigi war sich jetzt sicher, daß das Auto hinter ihm harmlos war. Kurz nach den Karfunkel-Werken bremste er kurz und bog rechts ab. Das Auto hinter ihm raste geradeaus, und Luigi sah noch den roten Schein. "Jeder Deppe wisse, daß dort oft steht Kontrolla di Polizia", murmelte Luigi, während der Reporter im geblitzten Auto fluchte: "Scheiße. Sonst kennen die Taxler doch alle Blitzer. Deswegen bin ich doch hinter dem Deppen hergefahren.

Karfunkel näherte sich dem Anwesen seiner Begierde. Vor dem Haus standen viele Menschen. Karfunkel ging an einer langen Schlange vorbei und murmelte ständig: "Tschuldigung, danke. Hab n Termin." Im 15. Stock stellte sich ihm ein kleiner drahtiger Mann in den Weg.

"Wo willst'n hin?"

"Miete ne Wohnung. 25. Stock, tschuldigung, bin fast zu spät dran." Karfunkel wollte weitergehen, wurde aber am Kragen gepackt, umgedreht und nach unten gedrückt."

"Glaubste vielleicht, mir san alle auf der Brennsupp'n dahergeschwommen", hörte er noch von oben. Dann wurde er von den Wartenden nach unten durchgereicht und landete schließlich wieder auf der Straße am Ende der Schlange.

Drei Stunden später war er wieder oben angelangt. Ein gelangweilter Makler stand in einer leeren, heruntergekommenen Wohnung und erklärte den Interessenten, der Vermieter habe die Wohnung viel billiger abgeben wollen. "Dann habe ich ihm erklärt, daß er gute 200 Möpse mehr verlangen kenn." Die Anwesenden nickten beilfällig. Bloß nicht den Makler verärgen!

Karfunkel schlich durch die Wohnung. Oh Gott, dachte er sich. Sooo habe ich mir das eigentlich nicht vorgestellt. Die heruntergerissenen Tapeten, hinter denen der Schimmel vorlugte, das feuchte Eck, das offensichtlich dem Hund als Gassi-Eck gedient hatte, das bestialisch duftende Badezimmer als Ersatz für die defekte Toilette, all das erfreute Karfunkel nur wenig. Im Wohnzimmer und in der Küche konnte man dagegen vom Boden essen: Knochenreste, angebissene Cheeseburger, Wurst- und Käsescheiben bedeckten den Boden. Wortlos überreichte der Makler Karfunkel eine schlecht kopierte Seite. "Alles ausfüllen", murmelte der Makler.

Karfunkel stierte das Papier in seinen Händen an. Personendaten, Einkünfte der letzten 5 Jahre, Adressen der Vorvermieter, Größe, Schuhgröße, Handynummer und sexuelle Vorlieben (nur von Frauen auszufüllen!)... Karfunkel wurde schwindlig.

Er ging zum Makler und murmelte. "Muß ich das wirklich ausfüllen?

 

Fortsetzung folgt


Fragen oder Anregungen in Zusammenhang mit dieser Website richten Sie bitte an verlag@karfunkels-rache.de.
Copyright © 2009/2010 Ralf Wagner. Alle Rechte vorbehalten.
Stand: Mittwoch, 18. Januar 2012