Kap.10: Analysen   

                                                                 Ein Leben voller Sehnsucht, Leidenschaft und Mutti.     

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Analysen

Nach einem kurzen, aber heftigen Frühstück hatte Karfunkels Magen den Säuregrad vom Vorabend wieder erreicht. Karfunkel quälte sich auf seinen Autositz und achtete darauf, möglichst gerade zu sitzen. Auf der ganzen Fahrt in seine Firma sehnte er sich bereits nach seinem Gebüsch auf dem Firmengelände. Oh Gott, das Video. Das muß ich mir heute abend unbedingt reinziehen. Und Liebig muß ich sein Video wieder besorgen. Karfunkel war so in Gedanken vertieft, daß er dem vorausfahrenden Kombi, der abrupt bremste, fast aufgefahren wäre. Karfunkel hupte, kurbelte sein Fenster runter und schrie: „Depp damischer. Typisch Wassabi-Fahrer! Kombi! Und dann noch hellblau-metallic! Spießer! Kannst du nicht fahren? Blödmann!“

Da ging die Tür auf, und der Fahrer stieg aus. Scheiße, jetzt hab ich's übertrieben. Karfunkel verriegelte die Türen, schaute scheinbar nach unten, beobachtete den Mann jedoch aus den Augenwinkeln. Der große blonde Mann kam näher und klopfte schließlich ans Fenster. Karfunkel öffnete das Fenster für einen kleinen Spalt.

„Ja?“ fragte Karfunkel mit zittriger Stimme.

„Entschuldigen Sie, ich hab da ein Problem.“ Der Mann war ihm auf Anhieb sympathisch, und Karfunkel begann, seine Wutattacke zu bereuen. Aber er hatte auch Angst, daß er ihm etwas antun könnte.

„Ja?“

„Sehen Sie da vorne die alte Oma, die mit ihrem Einkaufswägelchen dahinschleicht, um die Straße zu überqueren?“

„Äh ja!“ Karfunkel sah eine alte schlurfende Frau, die er auf 120 Jahre schätzte, mit einem Spiralkabel im Ohr.

„Ich hab's ja versucht. Wirklich. Ich schaff's nicht. Ich hab’ versucht draufzuhalten, aber dann hab’ ich im letzten Moment doch gebremst. Echt, ich bring's einfach nicht übers Herz, die Oma zu überfahren. Wollen Sie sich nicht schnell in mein Auto setzen und das für mich erledigen? Ich setz' mich auch derweil in ihr Auto und hupe. Darf ich mich vorstellen? Schnauber mein Name, Firma SchnauBau. Wir machen alles. Wenn Sie mal was brauchen? Mauerfutter vielleicht? Oder Kabel mit allen Querschnitten en gros und en detail?  Der ganze Schotter! Aber leider keine tödlichen Verkehrsunfälle!“

Karfunkel wurde rot und stammelte nur: „Entschuldigung. Hab's nicht so gemeint. Hab's nicht gesehn.“

Der Mann schaute ihm in die Augen, grinste, schüttelte seinen Kopf, drehte sich um und ging zu seinem Wagen. Die Oma hatte inzwischen die Straßenmitte erreicht, und der Mann fuhr an ihr vorbei. Immer noch knallrot im Gesicht gab auch Karfunkel Gas. Doch leider hatte er seine Automatik auf Rückwärtsgang stehen. Er bremste. 2 Millimeter von der Stoßstange des Fahrzeugs hinter ihm entfernt, kam er zum Stehen. Oh Gott, das fast auch noch! Er schaute in den Rückspiegel und sah eine schwarze Limousine, in dem vier schwarzgekleidete Männer mit Sonnenbrillen saßen, Spiralkabel in den Ohren, die gleichzeitig die Köpfe schüttelten. Karfunkel gab Gas und fuhr die letzten Kilometer viel zu schnell in die Firma. Kurz vor seinem Tor blitzte ein rotes Licht auf.

Karfunkel bog ein, die schwarze Limousine hinter ihm parkte auf der gegenüberliegenden Seite.

Karfunkel war heute sehr früh dran. Das ist die Gelegenheit. Xavi kommt frühestens in einer Stunde! Karfunkel schlich sich in Liebigs Büro und stöberte durch die Cassettensammlung: „Juristisches Repetitorium I bis 10 – Bestrafung & Sühne,“ „Paragraphendschungelcamp für Anfänger und Fortgeschrittene“, „Juristenreport 1-22“, „Vor Gericht wird nicht gesündigt“, „Stramme Richterinnen lassen sämtliche Paragraphen fallen“, „Bestraf mich hart. Ich habe gesündigt!“, „Gesetzesdämmerung“, „Richterin Lola macht die Paragraphen breit,“. Karfunkel war beeindruckt. Der ist ja eigentlich verdammt fleißig. Wie intensiv der sich fortbildet! Vielleicht zahle ich einem so hochkarätigen Mann wirklich zu wenig! Karfunkel entschied sich für „Repetitorium 69“. Er nahm die Cassette aus der Hülle und steckte sie in die Innentasche seines Mantels.

Schnell hastete er nach unten zur Pförtnerloge. „Herr Zerberus, könnten Sie mal im Hauptgebäude nach dem Rechten sehen? Ich glaube, da ist jemand im Hauptarchiv. Könnten Sie das mal bitte überprüfen? Der muß doch hier vorbeigekommen sein, oder? Ich warte hier solange.“

Zerberus zitterte. „Herr Direktor, ich bin hier seit Jarrzähnten und habe mirr nichts zu schulden kommen jelassen. Da kennese sich druff verlassen. Bei mir kommt keener eenfach so vorrbei.“

„Schon gut, aber schauen Sie trotzdem mal nach.“

Mürrisch trabte der Pförtner nach draußen und Karfunkel schlich ins Pförtnerhäuschen. Sobald Zerberus außer Sichtweite war, sprang Karfunkel in den Nebenraum, drückte die Auswurftaste am Videorekorder und entnahm die Cassette „Strenge Richterinnen greifen durch“. Befriedigt drückte Karfunkel „Repetitorium 69“ ein und versteckte das Corpus Delicti in seinem Mantel.

Da kam auch schon der Pförtner zurück und rief. „Hammse Recht jehabt, Herr Direktor. War aber bloß eener von ner Journaille. Där Härr Hägar Mejster. Der hat mir schon vorr Wochen sejne Sondererlaubnis von Ihnen jezeigt. Issja jeden Tach im Archiv!“

„WAS? Der Depp in unserem Archiv? Mit Sondererlaubnis von MIR?“ Karfunkel lief rot an vor Wut. Dann schwieg er. Lange. Sehr lange. Zerberus stand total belämmert beiseite. Wie nach Antworten suchend, stierte Karfunkel in die große schwarze Pfütze am Weg. „Muß ich hier alles alleine machen? Wird hier nichts erledigt? Jetzt weiß ich, warum mein Wagen immer so schmutzig ist. Sollte dieses Loch nicht schon längst ausgebessert sein?“

„Herr Direktor, det weeß ich nich!“

Mehr sagte der Pförtner nicht, weil beide so irritiert waren vom Aufheulen eines Motors und einem sich aggressiv nähernden Fahrgeräusches. Sie schauten beide nach rechts und blickten entsetzt in die starren Augen des Fahrers eines Kleinlieferwagens mit allerlei Antennen am Dach.

„Ist das nicht der Depp?“ fragte Karfunkel, bevor er und Zerberus die volle Ladung aus der tiefen Pfütze abbekamen. Von oben bis unten mit der ekligen Brühe durchnäßt, standen sie wie Dick und Doof da. Das Fahrzeug bremste. Dann sahen sie Blitze.

„Volltreffer!“, schrie Meister. „Und schon wieder auf dem Titelblatt. Sie werden noch eine Berühmtheit!“ Und dann war er wieder weg, raste durchs Firmentor auf die Straße, die kurz rot aufblitzte. 98 km/h verkündete das Display im Transporter an der Straßenseite. Die Insassen stießen mit Sekt an, und einer verkündete feierlich: „And the Winner is: Alpstadt_Kurier: AS-AK 999. Ich glaube, das war ein rasender Reporter." Schallendes Gelächter.

Es half nichts. Jetzt mußte weiter gehandelt werden. Wütend rannte Karfunkel ins Hauptgebäude und öffnete Liebigs Büro. Schnell steckte er die „durchgreifenden Richterinnen“ ins Etui des „Repetitoriums“ und verließ das Büro. Kaum war er um die Ecke gebogen, als ihm schon Liebig begegnete. „Morgen Xavi, heute bist du aber früh dran!“

„Morgen Funki, du auch. Stattdessen hättest dich aber auch mal waschen können, hihihihi. Oder warst du auf Tour mit Zerberus? Der sieht ja heute genauso schlimm aus wie du!“

„Sehr witzig.“ Dann entdeckte er die Schlammspuren, die er auf dem Boden hinterlassen hatte und verdächtig zur Tür seines Justitiars führten.

„Ach“, nahm er Liebig am Arm, könnten wir nicht mal kurz zu dir gehen? Muß dir was sagen.“ Auf dem Weg dahin erzählte Karfunkel den größten Blödsinn seines Lebens und zeigte dabei immer nach oben, damit Liebig nicht die Spuren entdecken konnte. Liebig schloß auf und Karfunkel rannte hastig hinein – mit den Füßen bewußt herumtrampelnd. Puh, geschafft! „Ach weißt du, war gar nicht so wichtig. Bis später. Tschau!“

Karfunkel hinterließ einen verdatterten Liebig, der heute früher gekommen war, um ein letztes Mal nach seiner Cassette zu suchen. Er öffnete alle Etuis. Das war sie! Hab ich sie doch immer übersehen? Aber wo ist dann das „Repetitorium 69“?

Karfunkel freute sich auf den Tag. AUFRÄUMEN! Er war voller Tatendrang. Und er freute sich auch auf Lisa Motte. Die Eifersucht brannte zwar in ihm, aber sie waren wenigstens ein Team. Das erste Mal in seinem Leben konnte er sich auf jemanden verlassen! Mit Xavi war das was anderes. Sie waren zwar permanent zusammen, aber wirklich verlassen konnte er sich auf ihn nie. Wenn sie auf Mitschüler trafen, die sie verhauen wollten, war Xavi sofort weg. Wenn sie in der Schule etwas angestellt hatten und von der Lehrerin zur Rede gestellt wurden, zeigte Xavi sofort auf ihn und rief: „Der war's“.

Freudig riß Karfunkel die Tür zu seinem Vorzimmer auf und rief schon einmal „Guten Morgen, Fräulein Motte“. Doch da saß keine Motte. Da saß eine große, häßliche, dicke Frau mit verfilzten Haaren in einem ausgeleierten grünen Pullover – den Rest wollte Karfunkel gar nicht mehr sehen. Ihre mangelnde Wasch- und Deodorant-Neigung ließ sich nicht überriechen. Angewidert rief Karfunkel: „Wer sind denn Sie?“

„Die Chefsekretärin, natürlich“, rief das unförmige Etwas mit gereizter Stimme. An ihrer Nase hing etwas, und Karfunkel hoffte, es möge nur ein Piercing-Stein sein.  „Und was wollen Sie? Der Chef ist noch nicht da.“

„Doch“.

„Nein.“

„Wetten?“ Karfunkel wurde böse.

„Wieso?“

„Mein Name ist Karfunkel. Maximilian Karfunkel der Dritte.“

„Ach so,“ erwiderte das Monster. „Dann kann ich Ihnen ja die Post bringen

„Wo ist Fräulein Motte?“

„Wer?“

„Die Frau, die sonst hier sitzt.“

„Kenn ich nicht. Aber die ist weg.“

„Wie lange?“

„Immer“.

„Soll ich jetzt Wort für Wort aus Ihnen herausklauben? Jetzt erzählen Sie mal.“

„Ich weiß nichts. Der Personal-Müller hat mich hierher versetzt. War früher in der Disposition. Wollte aber auch mal ein schönes Leben. Der Müller hat gesagt, daß die Tante fristlos gekündigt hat. Wollte Hochzeitsreise nach Brasilien machen. Kommt nich mehr. Soll ich jetzt die Post bringen?“

„Nein“, schrie Karfunkel wütend. „Nein!“ Ich habe jetzt Termine.“ Karfunkel fühlte sich einsamer denn je. Seine einige Stütze hatte ihn so schmählich verlassen. Ohne etwas zu sagen. Gemein! Wahrscheinlich war das doch kein Traum neulich. Wahrscheinlich sitzt sie gerade in einer brasilianischen Finca und tanzt mit Heyden Bolero. Karfunkels Kopf schwirrte. Er war so enttäuscht.

„Nein, hammse nicht.“

„Doch, den ganzen Tag.“

„Die Termine habe ich abgesagt.“

„Abgesagt? Spinnen Sie?“

„Also Chef, so dürfense mir mich nicht reden. Ich bin auch nur ein Mensch.“ Karfunkel sah sie an und bezweifelte das.

„Das hat mir der Müller gesagt. Er persönlich kümmert sich um Personalgeschichten, hat er gesagt.“

„So“, sagte Karfunkel mit einem gefährlichen Unterton in der Stimme, der selbst dem Tier nicht entging. „Sie sagen die Termine alle wieder AN. In zehn Minuten will ich den ersten der Fuzzis in meinem Büro sehen.“

„Gut. Wenn Sie meinen? Aber dann kriegen Sie sicher Schwierigkeiten mit dem Müller. Übrigens haben Sie sich bekleckert.“

Wortlos ging Karfunkel in sein Büro und machte entschlossen seine Schreibtischschublade auf. Da lag der erwartete Zettel. „Wie auch immer. Glaub niemandem was! Viel Glück. Und gib auf Dich acht!“

 

„Gib doch selber auf Dich acht“, rief Karfunkel laut und hörte aus dem Vorzimmer seine liebliche neue Assistentin: „Nicht acht, es ist jetzt neun!“

Dann öffnete sich die Tür, und der erste Kandidat des Tages stand mürrisch im Raum.

„Herr Kemist, schön daß Sie Zeit für mich gefunden haben,“ rief Karfunkel spöttisch.

Carl Kemist lächelte gequält. Er haßte seinen Beruf, ganz besonders, wenn er ihn auch noch verteidigen mußte. Seine Eltern hatten auf Anraten von Freunden ihren Sohn genötigt, seinem Namen zu folgen. „Wer Kemist heißt, muß auch was mit Chemie machen“, sagte das Akademiker-Freundespaar auf einer ihrer üblichen Parties zu viert. „Seht ihr, stinken kann er ja auch schon“. Gelächter. Eigentlich hätte das ein Witz sein sollen, doch wurde die Berufswahl nach der fünften Runde Weinbrand mit Cola zum Running Gag des Abends - und für Carl fortan blutiger Ernst. Das war auch das Einzige, woran sich die Partyteilnehmer erinnern konnten, als sie am nächsten Tag beim Aufwachen in die Abendsonne blinzelten. Und so war auch seine Laufbahn bereits mit 2 Jahren programmiert.

Für Carl Kemist war die Anstellung in den Karfunkel-Werken ein Glücksfall. Lange Zeit war er der Assistent des alten Entwicklungsleiters und wurde ohnehin nicht an die Produktion gelassen – geschweige denn in die Entwicklungslabors. Als sein Chef widerwillig mit 75 Jahren in Pension geschickt wurde („Wir ehren heute unseren langjährigen Entwicklungschef, Herrn Willibald Krawuncke, dessen Leben Seife war“), übernahm er das Amt und änderte die nächsten 30 Jahre nichts. Kemist hütete sich davor, die Rezepturen zu ändern. Die Karfunkelcreme wurde unverändert seit 70 Jahren zusammengerührt. Doch dann stieg der Druck auf Kemist.

Konkurrenzprodukte überschwemmten den Markt, aggressive Werbung sorgte für deren Erfolg. Zudem starb die Generation der Karfunkelcreme-Nutzer allmählich aus, bis auf einen alten Schauspieler, der noch mit 107 Jahren im Karfunkel-Werbespot mit wackelndem Gebiß in die Kamera nuschelte: „Die Karfunkelcreme hat mich so alt gemacht.“ Die Konkurrenz konterte mit einer alten, runzligen, fleckigen Dame, die in die Kamera stöhnt: „Da bin ich erst 20, aber leider haben mir meine Eltern eine große Tube Furunkelcreme zur Konfirmation geschenkt. Jetzt sehe ich so aus wie die. Die macht wirklich alt!“

Die neue Generation wollte einfach etwas anderes. Die Konkurrenzfirmen verkauften Begehrlichkeiten wie Moschusochsen-Deo, Stierhodenseife und -shampoo an die Jungen, Parfüms mit Lockstoffen aus dem Aaronstab an die Mädels. Erstaunlicherweise ging die Kopulationsrate zunächst dramatisch zurück. Glücklicherweise setzte die gnadenvolle menschliche Funktion der Gewöhnung an Gerüche ein: die mutmaßlichen Aphrodisiaka wurden olfaktorisch nicht mehr wahrgenommen, und das eine oder andere Baby wurde zur Freude der Kanzlerin doch wieder geboren, um 20 Jahre später die Arbeitslosenstatistik zu erhöhen.

So blieb Kemist nichts anderes übrig, als doch Experimente mit allerlei Materialien anzustellen. Er verbesserte die Kunststoffmischung für die Küchenreibe, die in den 20er Jahren als „Muttis kleiner Helfer“ aus keinem Haushalt wegzudenken war, ließ die Produktion jedoch auch nicht stoppen, als Fotos von verstümmelten Fingern als Folge von geborstenem Plastik auftauchten. Er hatte leider die Ursprungsformeln weggeschmissen.  Zum Glück wollte die graublauen Relikte aus besseren Zeiten ohnehin kaum noch jemand haben. Daher hatte Liebig auch nicht allzu viel zu tun. In der Regel stritt er die bekannten Qualitätsprobleme ab und berief sich auf mangelnde Sorgfalt und grob fahrlässige Fehlbedienung.

Als der Innovationsdruck zunahm, wurde Kemist experimentierfreudiger. Doch seine Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 25, eingeführt unter dem Namen „Braunbräuner“, entwickelte sich wider Erwarten nicht zum Renner, obwohl Bobby Nero, ein bekannter, wenngleich abgehalfterter dunkelhäutiger Schlagersänger aus besseren Zeiten von der Werbeabteilung eigens wieder aus der Versenkung geholt wurde. Mit dem jahrzehntegleichen Jacketkronenlachen und aufgerissenen Augen tauchte Nero im Werbespot plötzlich zwischen bleichen Menschen auf und schmetterte mit sonorer Stimme:

Nur der Bräuner von Karfunkel
macht dich sicher richtig dunkel.

An diesem Text hatten die Werbestrategen der Karfunkel-Werke 9 1/2 Wochen gearbeitet, ihn zur Überprüfung an die renommierte Werbefirma Altfahn-Glanz geschickt und nach drei Monaten mit einem handgeschriebenem „OK“ auf einer Rechnung über 14.000,- Euro zurückerhalten – gedruckt auf absolut stylischem Papier. Der Lichtschutzfaktor 25 entpuppte sich leider schnell als Fehler von Kemist. Er hatte die Formel falsch verstanden, und so wurden die Nutzer 25mal schneller rot als ohne Sonnencreme. Die Kläger beriefen sich auf das „sicher“ im Werbeslogan, während Liebig vor Gericht erfolgreich die Auffassung vertrat, es gehe schließlich nur um „sicher richtig dunkel“, wofür man allemal auch gewisse Opfer bringen müsse. Damit stieg wieder der Bekanntheitsgrad der Karfunkel-Werke, was die Werbeabteilung für sich verbuchte. Die Verpackung wurde geändert. Die „25“ erhielt  nun ein kleines vorgestelltes Minus-Zeichen. Damit war das Problem aus der Welt.

Doch zum Ruhm der Karfunkel-Werke trugen solche Schlagzeilen in der Presse nicht gerade bei.

„So, Herr Kemist,“ rief Karfunkel nach einer langen Pause. „Wie ist das jetzt. Was macht die Produktion?“

„Läuft“.

„Aha. Läuft? Läuft gut? Läuft schlecht?“

„Läuft wie immer.“

„Das klingt nicht gut! Was ist jetzt eigentlich aus dem Aufsprühschutz geworden. Wovor sollte das denn schützen?“

„Kinder“

„Kinder?“

„Babys“

„Babys?“

„Halt Verhütung und so’n Schutz vor Ansteckung“

Karfunkel wurde ungeduldig. „Jetzt reden Sie doch mal in ganzen Sätzen, Herr Kemist.“

Kemist rutschte gequält auf seinem Stuhl hin und her. „War ja eigentlich nicht meine Idee.“

„Wieso das denn?“, fragte Karfunkel erstaunt.

„Naja, damals, also halt so eines Tages, da komme ich in mein Labor. Und da finde ich die große Tafel vollgekritzelt mit chemischen Formeln. Und darüber stand das Wort 'Aufsprühschutz' und so ne kleine Zeichnung. Und da wußte ich, worum es ging. Und da hab ich’s nachgebaut. Eine Revolution!“

„Und was ist das jetzt für eine Revolution?“

„Aufsprühkondom“

Karfunkel war perplex.

„Aufsprühkondom? Und das funktioniert?“

„Ja klar. Also eigentlich Jein.“

Karfunkel sah Kemist fragend an.

„Na ja. Man kann's aufsprühen. Und es ist auch dicht.“

„Und?“

„Geht halt schwer wieder runter.“

„Schwer?“

„Eigentlich gar nicht.“

„Woher wissen Sie das?“

„Von der Testperson.“

„Wer hat sich denn für so einen Unfug freiwillig zur Verfügung gestellt?“

„Ich. Das heißt, ich glaube, irgend jemand hat eine Sprühdose geklaut. Derjenige hat sich aber bisher nicht gemeldet.“

„Au weia! Aber erzählen Sie mal.“

„Ist mir peinlich. Es bleibt halt fest, auch wenn es schrumpft. Ist wohl extrem elastisch. Und immer streng drauf. Keine Chance, es wieder wegzureißen. Aber irgendwann muß man halt auch mal. Dann kann man den aufgeblähten Teil wenigstens schon mal wegschneiden. Hat mich drei Wochen gekostet, das ganze zu entfernen. Man will ja nicht so gerne mit einem Messer dran. Das Ding drinnen sah dann schlimm aus. Wollen Sie mal sehen?“ Seine Hände griffen zur Gürtelschließe.

Karfunkel riß seine Hände abwehrend hoch. „Hören Sie auf! Die Hose bleibt geschlossen! Das ist ein Befehl! Dann, äh, dann waren das mit den Gummitieren doch wir?“

„Nee, kann nicht sein. Wir haben doch nur winzige Mengen verarbeitet. Aber der Effekt war offenbar der selbe. Ging auch verdammt schwer von den Pinguinen runter.“

„Und was macht die Weiterentwicklung?“

„Die habe ich gestoppt. Aber das Marketing ist schon fertig, und der Vertrieb scharrt mit den Hufen. Das können wir doch so nicht verkaufen, oder wollen wir doch?“

„Ganz bestimmt nicht. Hamm wir nicht noch irgendwas Neues?“

„Nee“.

„Au weia! Danke für Ihre Bemühungen. Herr Chefchemiker. Sie können jetzt gehen. Schließlich ist unsere Zukunft gesichert.“ Karfunkels sarkastischer Unterton war nicht zu überhören.

Kemist stand linkisch auf und murmelte „Na dann geh ich wohl.“ Karfunkel blickte nicht auf, als er den Raum verließ. Nachdem die Tür geschlossen wurde, schrie er vor Wut „SCHEIßE“! Aus seinem Vorzimmer hörte er „Genau! Heiß isses! Ich ziehe mir gleich den Pulli aus!“ Karfunkel beschloß, sicherheitshalber bis auf Weiteres in seinem Büro zu verharren.

Dann gaben sich die Abteilungsleiter die Klinke in die Hand. Der Pressechef berichtete von der Agentur, an die er seine Arbeit delegierte. Daher könne er eigentlich wenig berichten. Der Verwaltungschef stöhnte ihm sein Leid vor: die externe Buchhaltung sei so unzuverlässig, und die internen Abläufe würden von der beauftragten Firma „Rent-a-Verwaltung GmbH“ immer wieder ignoriert, so daß man deren Arbeit gelegentlich sogar kontrollieren müsse. Der Chef der Logistik verwies an die Subunternehmer, deren Subunternehmer manchmal unzuverlässige Subunternehmer  beschäftigten. Damit müsse man wohl leben. Karfunkel rauchte der Kopf.

Die Vertriebschefin ließ sich entschuldigen. Sie war tags zuvor mit ihrem Team zu einem 5-tägigen Symposium („Wieso stören immer diese Kunden und wie kann man Reklamationen abschmettern?“) nach Nizza geflogen. Sie hinterließ einen Zettel mit der Nachricht „Keine sorge, Cheff, wir wärn immer pesser. Leuft ales gut. Wir vertreiben die Gunden ervolgreich.“

Auch der Personalchef mit seiner 25köpfigen Fachpersonalcrew kleiner blonder Mädels in Miniröcken konnte nicht antreten. Eine Weiterbildung in Cannes („Was ist Human Capital und wie kann man ihm das Leben schwer machen?“) zur selben Zeit würde in Zukunft die Resultate dieser Abteilung revolutionieren. Karfunkel las die Botschaft des Chefs: „“Keine Sorge, wir eliminieren noch alle, die meiner Meinung nach hier nicht reinpassen. Das üben wir hier. Und ich kümmere mich um alle meine Mitarbeiterinnen persönlich.“ Karfunkel verstand. Hätte er doch nur Fräulein Motte noch an seiner Seite, das Luder!

Dann kam das Marketing in Person. Ein Mann späteren Alters, permanent schwitzend mit hochrotem Kopf in der Kleidung von ausgeflippten Teenagern. Aber stets in schwarz. Da es diese Kleidungsstücke bei H&H nicht in Bauchgrößen gab, sah der Chef des Marketing stets aus wie eine vergammelte Blutwurst. Die Haare alle streng nach hinten, am Nacken lang und künstlich gelockt sowie tiefschwarz eingefettet.

Heftig keuchend sah er Karfunkel an und presste heraus: „Was gibt’s? Ich muss noch 'ne Präsentation fertig machen. Der Alpstadt Kurier möchte über uns berichten. Das wird ne Riesensache!“

„Die schreiben doch eh nur Scheiße über uns. Ganz besonders der Depp von Meister“.

„Genau! Ein Herr Meister möchte alles über unseren Poppsafe fx. Der will ihn groß rausbringen“

„Groß rausbringen? Den was? Den Popsehf? Was zum Teufel ist denn ein Popsehf?“

„Na, das Aufsprühkondom. Geniale Sache. Wird der Hammer. Den Namen haben wir in einem vierwöchigen Marathon mit der neuen ATWO-Methode gefunden. Sie wissen schon: Assoziative Tiefschlaf Wahrnehmungs Offenbarung. Da muß man schlafen und wird geweckt und nach dem Namen gefragt. Das erste Wort, das rauskommt, wird notiert. Haben wir am Stück auf Mallorca gemacht. Im 5-Sterne-Ritz. Hatten die große Suite und haben da eng auf eng geschlafen. Bis auf den Trainer, denke ich.. Safespray, Kidsout, Spermshack und KidsOut waren die heißesten Verfolger. Aber Poppsafe fx war genial, gell? Das spricht Sie auch an, gell? Wobei, von der Anzahl der Nennungen her, hätte „Ihr Deppen“ oder „Laßt mich einfach schlafen“ gewinnen müssen. Paßt aber schlecht zu dem Ding, oder?“

Karfunkel versuchte, sich zu beherrschen, biß die Zähne zusammen und zischte: „Das Projekt ist auf Eis und der Meister vom Alpstadt-Kurier kriegt überhaupt nichts. Höchstens einen Satz warmer Ohren, wenn ich den mal treffe. Niemand kriegt was von uns. Weder Meister noch Lehrling!“. Das Bonmot gefiel Karfunkel. Er war richtig stolz auf sich. „Vielleicht sollte ich in der Werbeabteilung arbeiten!“

„Marketing. Man nennt das heute Marketing, Herr Direktor“.

Karfunkel war sauer. „Also gestoppt, verstehen Sie, Herr Marketing-Direktor? Herr...äh...Schnattermann.“

„Schnattermann-Tittenhofer, bitte. Habe doch geheiratet. Also die schöne Kampagne, an der wir seit 12 Monaten arbeiten, kippen? Oder vielleicht ist es sogar schon ein Jahr!“

„Ja, die schöne Kampagne für das sch... Produkt!“

„Aber die Fernseh-Spots sind doch schon gebucht!“

„Wie wollen Sie das im Fernsehen bringen?“, fragte Karfunkel gefährlich leise.

„Na ja, der Spot ist so. Man sieht einen Man und dann eine Frau. Und die schauen sich immer intensiver an. Und dann greift der Mann in seine Jackentasche und holt das Spray raus, das er ihr triumphierend zeigt. Sie haucht „Oh ja!“ und man sieht, wie er das Spray nach unten hält. Und man hört „Pffft“. Dann angedeutete Ekstase. Schnelle wechselnde Spots auf ihn und sie, bis zum gemeinsamen Höhepunkt. Und dann...“ Schnattermann-Tittenhofer machte eine Kunstpause.

„Und dann?“

„Ja, genau. Der Hammer, ich sag's ihnen. Wir haben ihn auch ganz günstig bekommen!“

„Wen bekommen?“ Karfunkel schwante Übles.

„Also es ist so. Künstlerisch richtig wertvoll. Da kommt dann von unten rechts der Kopf von Bobby Nero ins Bild...“

Karfunkel stöhnte.

„...und mit blitzenden Augen und sonorer Stimme singt er:

Willst du richtig sicher poppen
mußt du vorher Poppsafe shoppen.
Poppsafe fix mal aufgesprüht
Dir auch keine Krankheit blüht
kannst auch unbeschwerter poppen
tut er doch noch Kinder stoppen!

Und dann aus dem Off eine vertrauenswürdige Frauenstimme

Ja, Poppsafe fx -der Sprühschutz mit Platzschutz!

Und zum Schluß der absolute Hammer. Dann sieht man Bobby Nero, der in der Totale zwinkernd in die Kamera spricht:

Den benutz' ich auch , wenn ich mal kann.“

Schnattermann-Tittenhofer lachte laut und schlug sich auf den Schenkel. „Ist doch super, gell? Wollen Sie das wirklich stoppen?“

„Ja“, sagte Karfunkel leise. „Sehr wirklich. Hier wird erstmal alles, alles gestoppt. Und wenn Sie schon mal hier sind: wieso haben wir plötzlich ein anderes Logo? War doch früher ein funkelnder Karfunkelstein, oder? .Plötzlich sehe ich auf unseren LKW-Planen nur noch Orangen mit schemenhaften Frauenkörpern drin. Das Briefpapier, die Leuchtreklame und was weiß ich noch.“

„Wieso? War doch alles abgesprochen mit Gümü? Wir wollten das Unternehmen modernisieren. War doch alles verstaubt. Von wegen dem blöden alten Logo!“

„Wer zum Teufel ist Gümü?“

„Na der Günther Müller“

„Der Leiter Personal?“

„Kennen Sie sonst noch einen mit dem Namen?“ Schnattermann-Tittenhofer wurde patzig.

„Was hat der mit dem Logo zu tun?“

„Der macht doch alles für Sie, oder? Der hat doch gesagt, er hat volle Handlungsbefugnis. Hat doch die Firma übernommen, oder stimmt das etwa nicht? Schade, daß Sie nichts mehr zu sagen haben. Da war's noch schön ruhig hier.“

Karfunkel zitterte innerlich, bemühte sich aber, sich nichts anmerken zu lassen. „Aha, so ist das wohl jetzt“, sagte er leise.

„Ich weiß sowieso nicht, was das alte Logo sollte.“

„Das war ein Karfunkelstein!“

„Und was hat so ein Karfunkelstein mit unserer Firma zu tun?“

„Wir heißen Karfunkel!“ Er wurde laut.

Schnattermann-Tittenhofer überlegt lange. Dann murmelte er: „Ach so. Jetzt kapier ich's. Nicht schlecht. Hätte von mir sein können. Na ja, hat sich ja wohl inzwischen erübrigt.“

„Wieso erübrigt?“ Karfunkel wurde noch lauter.

„Ja, weil dem Gümü doch jetzt alles gehört. Und der hat meinen Vorschlag angenommen.“

„Den mit der Orange?“

„Genau! Wissen Sie, ich kenne die Frauen. Frauen sind schön. Frauen duften gut. Ihre Haut ist so weich! Und das ist die Botschaft. Ein schöner Frauenkörper. Und kennen Sie Orangen? Wie süß und frisch die doch riechen und schmecken. Deshalb unsere Kampagne, die wir gestern gestartet haben. Ab heute in allen Medien und überall. Der Slogan:

Die neue Karfunkelcreme. Für eine schöne Orangenhaut!

„RAUS. GESTOPPT! ALLES GESTOPPT!“ schrie Karfunkel. „Ihr Deppen ihr!

„Das muß ich mir nicht gefallen lassen. Ich gehe jetzt zum Chef!“ Schnattermann-Tittenhofer stand beleidigt auf und verließ laut polternd den Raum. „Da reißt man sich den Arsch auf, und so ein Depp von Karfunkel will einem alles vermiesen.“ Er drehte sich noch einmal um und schrie: „Ich hole mir eine Einstweilige Verfügung vom Gümü. Und vom Liebig.“

Als sein Marketing-Leiter gegangen war, griff Karfunkel, am ganzen Körper zitternd, zum Telefon.

„Karfunkel-Werke, Müller?“

„Karfunkel. Herr Müller?“

„Ja Müller hier, Karfunkel-Werke“

„Hier Karfunkel“

„Ja. Das ist ja lustig. Hier auch Karfunkel. Müller mein Name. Was kann ich für Sie tun?“

Karfunkel wurde ärgerlich. „Hier Karfunkel. Ihr Chef.“

„Ach, entschuldigen Sie. Hab Sie gar nicht erkannt. Was kann ich für Sie tun?“

„Kommen Sie doch mal rüber."

Weshalb?"

Weil ich es so will? Oder weil es mein Wunsch ist? Muß ich deutlicher werden?

3 Minuten später stand Müller unruhig im Büro.

„Schicken Sie mir mal eine betriebsbedingte Kündigung. Den Namen lassen Sie noch offen.“

„Au fein. Aber das kann ich auch alles für Sie erledigen. Hab eh meine Jagdliste. Per Serienbrief kann ich Kündigungen für die ganzen alten Schnepfen aus dem Drucker schicken. Endlich machen wir jetzt mal Nägel mit Knöpfen. Ich habe hier Bewerberinnen in der Warteschlange, die ich unterbringen muß. Keine Sorge, die Jobs sind sofort wieder doppelt und dreifach besetzt, Chef. Alles attraktive junge Damen. Und die zeigen sich sehr dankbar, glauben Sie mir!“

„Eine Vorlage bitte. Nicht mehr. Die kann ich mir kopieren. Und was soll die alte Schnepfe in meinem Vorzimmer?“

„Meiner Frau zuliebe hab' ich die eingestellt. Wissen Sie, alte Schulkameradin von Frau Müller. Die mußte untergebracht werden, weil die keiner haben wollte. Frau Müller hat so lange an mich hingeredet, bis ich OK gesagt habe. Herr Direktor, irgendwann muß jeder mal ein Opfer bringen. Die konnte ich doch nicht zu meinen Mädels stecken, oder?“

„Doch. Ich will sie jedenfalls nicht. Verstanden? Und was soll das Gerede, daß Sie die Firma übernehmen?“

Müller lief rot an und stotterte: „Wie? Was? Versteh ich nicht. Schnatter-Titt redet immer so komisch. Weiß gar nicht, was der meint.“

„Den habe ich doch gar nicht erwähnt?“

Müllers Kopf glühte. Müller rang nach Luft, setzte mehrfach an zu sprechen, brach immer wieder ab, schüttelte den Kopf, der inzwischen die Farbe einer überreifen Erdbeere angenommen hatte, und stammelte „Alles sind gegen mich. Ein Komplott. Ja, Mobbing. Aber ich werde mich wehren. Ich gehe jetzt zur Polizei. Jawohl. Eine Gemeinheit von Ihnen, HERR Direktor. Das wird Folgen haben!“ Und er stand auf und verließ den Raum.

Die nächsten Tage verbrachte Karfunkel im Archiv oder nahm sich bergeweise Akten mit und schloß sich in seinem Büro ein. Es gab keine Termine, und unangemeldete Besucher mußten im Vorzimmer wieder kehrt machen. Seine Sekretärin hörte nur immer wieder Worte wie „Ach so!“, „AHA!“, „Oh Gott!“ oder „AU WEIA!“.

Abends fuhr Karfunkel leise nach Hause, ließ seinen Wagen vor dem Tor stehen und schlich sich ins Haus. Unterwegs hatte er an seiner neuen Lieblingstankstelle angehalten und Verpflegung für den Abend eingekauft. Zwei Kakaoflaschen, deren Schraubverschluß nicht ganz unversehrt aussah („Wissense, die machen das jetzt so für die die nich so ganz gut Flaschn aufmachn könn“), deren Inhalt schon arg wässrig schien, sowie zwei Käsesemmeln. Die Käsescheiben waren hart und gewellt und hatten grünliche Perlen auf der Oberfläche („Wissense, ist der neueste Schrei. Hartwellkäse. Issn Direktimport aus der Schweiz. Iss trändig!“). Magengrimmen war ohnehin Karfunkels ewiger Begleiter. So machten ihm die trendigen Semmeln und die Spezialkuvee Kakao nicht viel aus. Und er sank jeweils in einen tiefen, traumlosen Schlaf, in dem ihn sogar seine Nachtmahre nicht erreichen konnten.

Dann war endlich Freitag.

 

Fortsetzung folgt


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Stand: Freitag, 20. Mai 2011