...und mach' nicht wieder so viel Dreck!     

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...und mach' nicht wieder so viel Dreck!  

Handwerker sind ja bekanntlich, wie jeder weiß, Männer, und Handwerker machen Dreck. Den wiederum lassen sie zwanghaft liegen. Also sind, so kombiniert die weibliche Logik,  alle Männer Müllmänner, die es in die Schranken zu weisen gilt. Bist du als Mann handwerklich begabt und versuchst, Kosten zu sparen, wird deine Do-it-yourself-Energie dadurch jäh in unliebsame Bahnen kanalisiert.

Wo liegt das Problem? Männer tendieren zur anschließenden Dreckbeseitigung (durch ihre Frauen), Frauen zur Dreckverhinderung (durch ihre Männer): „Bohr nicht wieder so staubig wie das letzte Mal“, wird sie dir warnend zurufen, sobald du beginnst, auch nur an Werkzeug zu denken. Ihr sechster Sinn für schmutzende Männer ist perfekt trainiert.

Ich versuche nicht mehr, in ihrer Abwesenheit zu hämmern und zu sägen. Abgesehen von meinem schlechten Gewissen, das mich nervös macht und dadurch in noch viel stärkerem Maße zu irreparablen Schäden führt, würde sie es vorher intuitiv ahnen, nein, intuitiv wissen und es mir strikt verbieten.

Mein größter Traum ist es, feierlich den neuen vollautomatischen Bohrhammer mit 18 Gängen, Overdrive, Doppelschlagwerk und Superturbodrehzahlverdoppler aus ihrem mit Samt ausgeschlagenen Schutzfutteral zu nehmen, einen mächtigen Bohrer langsam einzuführen, ihn festzuziehen, an der Wand anzusetzen, um dann mit vollem Schub das größte Loch aller Zeiten zu schlagen. Ohne Schutzfolie. Oder ein kleines Stück Papier zu nehmen, einen Farbeimer darauf abzustellen, den Roller einzutauchen und dann loszuweißeln. Schließlich kann man ja durch beständiges Weiterschieben der Folie das Schlimmste an Tropfflecken verhindern. Der Rest wird anschließend weggewischt. Wie damals, als ich noch alleine war und anschließend 14 Tage lang meine Bude geschrubbt habe.

Nicht mit unseren Frauen, unserer häuslichen Bauaufsicht. Sie wollen, daß wir ihnen zunächst unser Bauvorhaben detailliert schildern und alle möglichen Dreckquellen offenlegen. Dann bekommen wir unsere Auflagen mitgeteilt. Kaum sehen sie uns aus dem Keller, unserem handwerklichen Refugium, mit einem Schraubenzieher auftauchen, schon rufen sie uns vorwurfsvoll zu: „Du wirst ja wohl nicht ohne abzudecken hier arbeiten wollen. Außerdem ist es jetzt halb vier [da ist ihrer Meinung nach immer noch Mittagsruhe]. Und mach doch mal dein Werkzeug sauber - so kommst du mir nicht in die Wohnung.“

So auch neulich. Vorsichtshalber saugte ich die frische Folie vorher noch ab und legte damit gewissenhaft die ganze Wohnung aus. Anschließend zog ich die gereinigten Arbeitsschuhe an und begann, die Wände des Wohnzimmers mit Zeitungspapier abzukleben. Sorg­fältig achtete ich darauf, sämtliche Ritzen mit Kreppband zu verschließen, damit der feine Staub nicht dazwischengeraten kann. Die Türen der Wohnzimmerschränke verklebte ich ebenfalls mit Schutzband, um das Interieur der Vitrinen hermetisch abzuschotten. „Es ist ja alles schon einmal vorgekommen, weißt du noch, damals?“ Ich weiß zwar nicht, aber das liegt wohl an meiner Eigenschaft, Mann zu sein. Männer sind ja so vergeßlich. Man sollte Christo zum Schutzpatron aller Do-It-Yourselfer ernennen (oder gab es einen anderen Grund, den Reichstag einzupacken?).

Die geschilderte Prozedur wiederhole ich anschließend in jedem Zimmer unseres Hauses. Schließlich sind auch Meerschweinchen und Kanarienvogel gut verpackt, und selbst dem Goldfisch kann nicht mehr viel passieren. Jetzt kann es richtig losgehen, denke ich, stoße aber auf weitere Probleme. „Ruf' mich, bevor du anfängst, du kannst ja schon den Staubsauger anschließen.“ Richtig. Ich hole den Staubsauger, eine Verlängerungsschnur, finde nach 20 Minuten den notwendigen Doppelstecker, wechsle vorsichtshalber die Staubtüte sowie sämtliche Mikrofilter und stelle mich in Position.

„Liebling, ich bin soweit“, rufe ich erwartungsvoll. „Gleich“, kommt es zurück. Nach 20 Minuten wage ich einen neuen Vorstoß: „Kommst du?“ „Wieso bist du schon wieder so ungeduldig und gereizt“, ruft sie zurück. „Du bist wie dein Vater“. Mein Vater hat zwar niemals handwerkliche Tätigkeiten ausgeübt, aber das sollte ich jetzt nicht diskutieren.

„Weißt du,“ ruft sie, „das Essen ist jetzt ohnehin schon fast auf dem Tisch. „Machst du dich fertig?“

„Können wir das nicht erst zu Ende bringen?“, frage ich zaghaft. „Nachher wird es dunkel, und die Nachbarn beschweren sich.“ „Ach was, du brauchst jetzt etwas Warmes. Bevor wir uns kannten, hast du Raubbau an deiner Gesundheit getrieben. Das lasse ich nicht zu. deine Mutter und deine Ärzte haben dir geraten, regelmäßig zu essen.“ Gegen diese Übermacht komme ich natürlich nicht an. „Und räum' das Eßzimmer von deinen Sachen auf“.

Also entferne ich sämtliche Abdeckungen in diesem Raum, so daß auch der Kanarienvogel wieder frei durchatmen kann. Das Meerschweinchen kriege ich mit Maul-zu-Ventil-Beatmung der Luftpumpe auch wieder hin, und selbst der Goldfisch schwimmt irgendwie wieder, wenn auch ziemlich dicht an der Wasseroberfläche. „Und vergiß nicht, dich umzuziehen“, flötest es aus der Küche. Raus aus der Arbeitskleidung, duschen, rein in den Anzug.

Ich versuche auch nicht mehr, das Essen durch Bemerkungen zu verkürzen, ich würde gerne die Arbeit beenden, um mich ihr so richtig widmen zu können. „Widme dich ihr gleich, sonst befiehlt sie es dir“, flüstert mir mein Gewissen ins Ohr. Es ist nicht leicht, ein charmanter Gesprächspartner zu sein, wenn die Arbeit im Hintergrund lauert. Aber meist schaffe ich es einigermaßen.

Wir räumen das Essen weg, ich klebe wieder ab, stelle mich im Flur erneut in Position und bemerke, daß ich den Anzug noch trage. Früher glaubte ich noch, sie könnte so etwas übersehen. Also ziehe ich mich schnell um.

Dann ist es doch soweit: in Arbeitskluft steht sie an meiner Seite, und es kann beginnen. Ich schalte den Staubsauger an, sie hält das Rohr in Position an der Stelle, wo die schlimmste Geröll-Lawine zu erwarten ist - und ich treibe den Nagel für das aufzuhängende Bild mit zwei kurzen Schlägen in die Wand. „Aber mach' jetzt gleich alles wieder sauber“, mahnt sie mit einem gewissen Unterton des Grauens. „Kann ich jetzt gehen, ich habe schließlich auch noch etwas Vernünftiges zu tun.“

Kürzlich hat mein sehr viel besseres Ich ihre Liebe zur Bearbeitung von Specksteinen mittels Feilen, kleinen Bohrern, Hammer und Meißel entdeckt sowie einen Hang zum Besprühen von Gegenständen aller Art mit Goldlack. Wissen Sie, wieviel fetter, goldfarbener Staub zwischen Ihre Lieblingspullis im hintersten Schrank der Wohnung geraten kann?

 


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Stand: Donnerstag, 24. Februar 2011