Apostroph   

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Hillfe fier’s Folk

Was fängt mit ‚Apo...‘ an und ist eines der elementarsten Dinge des Lebens?

Die Antwort auf diese Frage ist ein Produkt aus Lebenseinstellung, Bildung und Herkunft. Die mit dem klerikalen Hang werden sofort an die Apostel den­ken, die Pessimisten an die Apokalypse, die Hypochonder an die Apotheke, Frauen an Apoll, die Fortschrittsfanatiker an das Apollo-Programm der NASA und mein fränkischer Freund Paul an "A poor Broadwerscht". Die ewigen 68ern bekommen feuchte Augen beim Gedanken an ihre Ideale, die sie in der APO (fast) verwirklicht hätten, während die Herrschaftsgläubigen unbeirrt der Apotheose frönen. Was uns aber ALLE miteinander verbindet (oder trennt?), seien wir Raucher oder Nichtraucher, Heilige oder Scheinheilige, Reiche oder Neureiche, ist eine kleine, versteckte, aber umso wichtigere Sache: der Apostroph.

Früher litt er arg unter starker Einsamkeit, weil ihn kaum einer verwenden wollte. So fristete er sein ihm angeborenes Schattendasein zwischen Bindestrich, eckiger Klammer und zweitem Futur. Nicht von ungefähr heißt er gemeinhin auch ‘Auslassungszeichen’, weil er nur dort als Stellvertreter hinkommt, wo bestimmte Wortteile ausgelassen werden. Heute jedoch hat er die Herrschaft über uns und unsere Reklametafeln übernommen.

Dabei fing alles zunächst harmlos an. Wir kannten ihn in dieser Form zunächst nur als exotische Kuriosität aus Fernsehserien: in O'Conner's Bar, Peter's House of Horror, Ralph's Pizza Heaven. Dann muß er wohl auf dem Meeresboden als Angestellter von McDonald’s zu uns gekrochen sein. Getarnt zwischen Gurkenscheiben und Zwiebelringen, unter einer köstlichen Schicht Schmelzkäse ist er in unser von 100% reinem Rinderwahn geschwächtes Bewußtsein geschlichen.

Und dann plötzlich, eines Nachts, als wir friedlich schliefen, läutete er Sturm, blies zur Attacke, wie man sie aus den Western mit John Wayne kennt, durchbrach mit Vehemenz unsere Linien und überflutete mit seinen Kollegen unsere Druckerzeugnisse. Die Rechtschreibfront war zerstört, gefallen, vernichtet. An allen Ecken eröffneten die Apostrophen ihre Läden: Regina's Stricklädle, Heidi's Schnapseck oder Rüdiger's Nachtbar, während wir wütende und sarkastische Pamphlete an unseren PC’s verfaßten.

Vielleicht hätten wir es noch schaffen können, wenn wir unsere Gegner ernst genommen hätten. Anfänglich hatten wir uns noch lustig gemacht, dachten, wir hätten es mit lächerlichen Randerscheinungen zu tun. Doch mit der Zeit begannen wir selber, unsicher zu werden. Immer öfter erfolgte der Griff zum Duden mit den Rechtschreibregeln: Aha, so ist das also. Genau. Wir haben unser mühselig eingepauktes Schulgrammatikwissen wieder auf Vordermann gebracht und haben uns an der nächsten Ecke prompt erneut verunsichern lassen.

Die normative Kraft des Faktischen: Behaupte einen Blödsinn so lange, bis er durch seine stete Wiederholung richtig wird. Die permanente eigene Unsicherheit machte uns klar, daß wir nun die bedrohte Minderheit waren. So wurde es für uns Zeit, einen Feldzug gegen den falschen Apostrophen aus unserem Exil heraus zu beginnen. Aber irgendwie schien niemand mitmachen zu wollen, schon gar nicht die unkaputtbaren  Werbetexter. Die Sinnlosigkeit wurde mir klar, als ich in einer Bäckerei das alles entscheidende Schild las: "Das Betasten der Waren ist strengsten's verboten". Da gab ich auf. Und nun haben wir ihn: den totalen Apostrophen, der vom Auslassungszeichen zum Einfügungszeichen mutierte.

Was sagt eigentlich die Rechtschreibreform zum Apostrophen, außer daß er vermutlich jetzt mit einem ‘f’ geschrieben wird? Egal. Eine (Über-)Lebensregel besagt: wenn du nicht gegen den Strom ankommst, schwimme mit ihm. Anfangs ein Gegner von Reformen, die oft die Regeln so verwässern, daß man plötzlich nur noch von Ausnahmen leben muß, bin ich heute deren glühendster Verfechter.

Plötzlich liegt alles so deutlich vor Augen: es muß alles einfacher wer­den, also her mit der Rechtschreibreform Den G

Weg damit!

Er'st einmal bringen wir die neue rechtschreibung über di Büne und dann 'setzen wir sämtliche Kommas der Welt nach oben (meiner Meinung nach waren die wahren Träger des Apostrofismus diejenigen, die seit jeher Probleme mit der Kommasetzung hatten). Nun endlich wird alles klarer: semtliche Kommas nach oben, und zwar ganz einfach vor jedes 'S'. Die ‘sogenannten deut’schlerer ‘sollen er‘st einmal ‘so richtig neudeut‘sch lernen, di‘se afektirten aufgebla‘senen fer­fechter der gramatig. allmehlich merke ich wi alle‘s einfa­cher wird wenn man dem klein'sten gemein'samen nenner rechnung tregt. le'se­’schweche? war alle‘s nur humbug und fauler t‘sauber der leute die mit iren nachhilfe’stunden nur geld ‘scheffeln wollten weil 'sie angeblich alle’s fil be’s’ser können.

Ab nun entfernen wir ale do­pelten buch’staben und ‘schreiben ale’s klein dan entfernen wir ‘semtliche umlaute: ä wird zu e, ü wird zu i und ö zu e. ale worte mit mer als zwei 'silben fligen rau's. da's denungs 'h' mu’s auch gen. Eben’so k (er’sedst durch g) un t (durch d) schwere worde falen der word reform zum opfer. wen wir schon dabei ‘sin ‘solden wir auch iber fli'sige buch ’sdaben ‘sdreichen. ‘sum bei’spil da's z da's onehin fa'sd wi ein 'S ge’sbrochen wird kende ein 's werden. und iberhaubt i's ale's noch fil 'su gom­pli'sirt 'schwirig dof.

Huga huga ua ua u UUUUU ‘’’’’’’’’ ’’’’’’’ ’’’’’’’’ ’’’ ’’’ ’’’’‘‘‘‘‘‘‘‘‘’ ‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘‘

 

 


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Stand: Donnerstag, 24. Februar 2011